Radiologie up2date 2008; 8(4): 335-355
DOI: 10.1055/s-2008-1077747
Urogenitale Radiologie

© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Raumforderungen der Adnexe – Bildgebung und Differenzialdiagnosen

Adnexal masses – diagnostic imaging and differential diagnosisB.  K.  Chilla, M.  Hohl, R.  A.  Kubik
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Publication Date:
04 December 2008 (online)

Zusammenfassung

Aufgrund der Komplexität der Strukturen im kleinen Becken und bei einem breiten Spektrum von Pathologien, welche ein ähnliches morphologisches und klinisches Bild darstellen, kann die Artdiagnose und Charakterisierung einer Raumforderung des Ovars in einigen Fällen schwierig sein. Die Kenntnisse der Anatomie des weiblichen Genitaltrakts und eine richtige Indikationsstellung der bildgebenden Verfahren sind unumgänglich für eine sichere Differenzierung zwischen einer ovariellen und einer nicht ovariellen Raumforderung. Die Arbeit gibt eine Übersicht über die bildgebenden Befunde physiologischer und pathologischer Veränderungen der Ovarien und ihrer Differenzialdiagnosen.

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Abstract

It’s not always easy to diagnose and characterize an ovarian mass, because of the complexity of the pelvic structures and a wide spectrum of pathologies, which show similar clinical and radiologic appearance. Knowledge of ovarian anatomy and the correct indication for imaging modality is necessary to differentiate between an ovarian and non ovarian mass. The ovarian mass classification and the specific morphologic characteristics help to refine the differential diagnosis. The article gives also an overview of the spectrum of radiological findings and physiological changes of the ovaries and its differential diagnosis.

Kernaussagen

Anatomie

  • Das Ovar liegt in der Fossa ovarica, welche hinten vom Ureter und der A. und V. iliaca interna, kranial durch die A. und V. Iliaca externa und ventral durch das Lig. umbilicale demarkiert ist. Der ovarielle Bandapparat und das Mesoovar befestigen die Adnexe am Uterus, der lateralen Beckenwand und dem Lig. latum. Durch die postpartale Dehnung der Ligamente oder Lagevarianz des Uterus kann es zu atypischer Lage der Adnexe kommen.

  • Die Größe der Ovarien variiert mit dem Alter, dem hormonellen Status und dem Menstruationszyklus. Präpubertär sollte das Volumen des Ovars ca. 3 ml, bei menstruierender Patientin ca. 9,8 ml und postmenopausal nicht mehr als 5,8 ml betragen.

Bildgebung und Differenzierung von Läsionen

  • Als primäres bildgebendes Verfahren zur Abklärung von Raumforderungen des Ovars wird in der Notfallsituation häufig die transabdominale/transvaginale Sonografie oder die CT angewendet. Eine weitere Indikation für die CT sind Kontraindikationen für eine MRT, wie sie am Anfang des Artikels erwähnt wurden, sowie das Staging und die Verlaufskontrolle bei bekanntem Ovarialkarzinom.

  • Die MRT ist aufgrund des ausgezeichneten Weichteilkontrasts die wichtigste Bildgebung für die Zuordnung und die Differenzierung von Ovarialläsionen. Sie erlaubt eine sichere topografische Zuordnung der Läsionen (Ovar vs. Uterus). In der MRT können benigne Befunde – Endometriom, Fibrothekom, Dermoid, benigne eingeblutete Läsionen – zuverlässig von anderen Differenzialdiagnosen abgegrenzt werden. Außerdem kann die MRT auch ohne Risiko bei Schwangeren durchgeführt werden.

  • Das in der Abklärung unklarer Ovarialläsionen verwendete MRT-Protokoll sollte eine axiale und koronare T1w und T2w Sequenz enthalten. Eine sagittale und koronar-oblique T2w Sequenz hilft in der Differenzierung einer vom Uterus ausgehenden Pathologie von einer Ovarialpathologie

  • Die Abklärung von T1-hyperintensen Läsionen sollten durch eine T1w fettsupprimierte Sequenz ergänzt werden, in der man Fett von Blut, Muzin oder proteinhaltigen Anteilen differenzieren kann. Bei Raumforderungen mit atypischer Binnenstruktur oder ungewöhnlichem Signalverhalten sind zusätzliche gadoliniumverstärkte Sequenzen hilfreich.