Gastroenterologie up2date 2008; 4(3): 207-234
DOI: 10.1055/s-2008-1077592
Ösophagus/Magen/Duodenum

© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Motilitätsstörungen des Ösophagus

Hans-Dieter  Allescher
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Publication Date:
08 October 2008 (online)

Kernaussagen

Einteilung

  • Je nach Ätiologie werden die Motilitätsstörungen der Speiseröhre in primäre und sekundäre Motilitätsstörungen unterteilt.

  • Die primären Motilitätsstörungen der Speiseröhre werden klassischerweise weiter untergliedert in Achalasie, diffuser Ösophagospasmus, hyperkontraktiler Ösophagus und hypertensiver Ösophagussphinkter. Die sekundären Motilitätsstörungen umfassen eine Vielzahl von Erkrankungen, die eine Störung der Ösophagusmotilität mit verursachen.

Achalasie

  • Die Achalasie ist eine idiopathische chronische (lebenslange) Erkrankung des intrinsischen enterischen Nervensystems der Speiseröhre, die zu einer reduzierten bzw. aufgehobenen Erschlaffung des unteren Ösophagussphinkters und damit zu einer Behinderung der Ösophaguspassage führt.

  • Das klinische Leitsymptom in der Frühphase ist die Dysphagie, gelegentlich verbunden mit Thoraxschmerz. Im weiteren Verlauf kommen dann aktive und passive Regurgitationen hinzu, die gelegentlich zu pulmonalen Komplikationen in Form von Aspirationen führen können.

  • Die Diagnose wird mittels Röntgenbreischluck und Endoskopie gestellt und initial mittels Manometrie und Schnittbilddiagnostik (Endosonografie) verifiziert. Die Behandlung besteht einerseits in der pneumatischen Dilatation mit einem Polyethylen-Ballonkatheter (Erfolgsrate 55 – 85 %) bzw. bei Versagen der Dilatationsbehandlung in der laparoskopischen Myotomie mit Antirefluxverfahren.

Hypermotile Ösophagusmotilitätsstörungen

  • Der diffuse Ösophagospasmus ist eine seltene Motilitätsstörung, die zu einer Aufhebung der propulsiven Aktivität des Ösophagus führt. Sie ist gekennzeichnet durch intermittierend auftretende krampfartige retrosternale Schmerzen und dysphagische Beschwerden. Die Diagnose erfolgt mittels Röntgenbreischluck und Ösophagusmanometrie. Die Behandlung basiert auf einer Reduktion der glattmuskulären Kontraktionen durch Pharmaka (Kalziumantagonisten, Nitrate) oder durch die noch experimentelle Injektion von Botulinumtoxin.

  • Der hyperkontraktile Ösophagus weist gesteigerte, aber propulsive Kontraktionen der tubulären Speiseröhre und klinisch krampfartige Angina-pectoris-artige retrosternale Schmerzen auf, die den Ausschluss einer kardialen Erkrankung erfordern. Diagnostisch wegweisend ist allein die Manometrie.

  • Beim hypertensiven unteren Ösophagussphinkter findet sich eine isolierte Tonuserhöhung im unteren Ösophagussphinkter, wodurch bei den Patienten ein kontinuierliches Druckgefühl im Epigastrium hervorgerufen wird. Die Diagnosestellung erfolgt über die Manometrie.

Literatur

Prof. Dr. Hans-Dieter Allescher

Zentrum für Innere Medizin
Klinikum Garmisch-Partenkirchen

Auenstraße 6
82467 Garmisch-Partenkirchen

Email: hans.allescher@klinikum-gap.de