Krankenhaushygiene up2date 2008; 3(2): e1-e24
DOI: 10.1055/s-2008-1077343
Nosokomiale Infektionen

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Nosokomiale Pseudoinfektionen und Pseudoepidemien

Roland  Schulze-Röbbecke
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Publication Date:
19 June 2008 (online)

Kernaussagen

  • Eine Pseudoinfektion (PI) ist das Vorliegen eines für eine Infektion charakteristischen Befundes, obwohl diese Infektion bei der betroffenen Person in Wirklichkeit nicht vorhanden ist. Als Pseudoepidemie oder Pseudoausbruch (PA) wird eine tatsächliche Häufung nicht vorhandener Infektionen oder eine nicht vorhandene Häufung tatsächlicher Infektionen bezeichnet.

  • PI und PA werden oft nur schwer als solche erkannt und können als nosokomiale Infektionen und Ausbrüche fehlinterpretiert werden. Besonders groß ist dieses Risiko in der Bronchoskopie.

  • PI und PA stellen ein Problem dar, da sie unnötige Therapiemaßnahmen (insbesondere Antibiotikatherapie), unnötige Behandlungskomplikationen, unnötige Belastungen für die Patienten, unnötige Liegezeitverlängerungen und unnötige Kosten mit sich bringen können. Die Diagnose und Therapie tatsächlicher Erkrankungen kann durch PI und PA verzögert werden.

  • Häufige Ursache von PI und PA ist die Probenkontamination mit Mikroorganismen aus der Umgebung (z. B. Leitungswasser, Luft) oder anderen Patientenproben. Die Kontamination kann bei Entnahme, Transport oder Laborverarbeitung der Probe stattfinden. Andere Ursachen sind Probenverwechslung, Fehlidentifikation im Labor, Fehldiagnosen und Surveillance-Artefakte.

  • Bei der Aufklärung eines Ausbruchs ist zunächst die Frage zu klären, ob es sich um einen tatsächlichen Ausbruch oder um einen Pseudoausbruch handelt.

  • Außer bei Fehldiagnosen oder Surveillance-Artefakten beinhaltet die Aufklärung von PI und PA die Überprüfung des mikrobiologischen Untersuchungsgangs von der Probenahme bis zur Befundung im Labor.

  • Bei der Infektions-Surveillance ist oft Unkenntnis der endemischen Grundrate Ursache von PA. Zudem kann es durch eine Intensivierung der Diagnostik oder Surveillance zu PA kommen.

Literatur

PD Dr. med. Roland Schulze-Röbbecke

Universitätsklinikum Düsseldorf
Institut für Medizinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene

Universitätsstraße 1
40225 Düsseldorf

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