Frauenheilkunde up2date 2008; 2(5): 423-440
DOI: 10.1055/s-2008-1077033
Geburtshilfe und Perinatalmedizin

© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart ˙ New York

Die regelwidrige Schwangerschaftsdauer

M. Hartog, I. Hösli, R. Zanetti-Dällenbach, O. Lapaire, W. Holzgreve
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Publication Date:
23 October 2008 (online)

Kernaussagen

Fehlgeburt

Beim Spontanabort handelt es sich um die häufigste Komplikation in der Frühschwangerschaft. Er ist definiert als vorzeitige Beendigung einer Schwangerschaft, bevor der Fetus ein lebensfähiges Alter erreicht hat, d. h. bei einem Gewicht von weniger als 500 g. Dabei kommt es entweder zu einem Abortus completus oder die Frucht bzw. Teile des plazentaren Gewebes verbleiben im Uterus (Abortus incompletus). Neben weiteren Faktoren gilt das mütterliche Alter als Hauptrisikofaktor für einen Abort. Die typische Symptomatik eines Abortes umfasst vaginale Blutungen, Unterbauchschmerzen und eine vorangegangene Amenorrhö. Differenzialdiagnostisch muss eine Extrauteringravidität ausgeschlossen werden. Die Therapie bei einem Abortus incompletus kann entweder durch chirurgische Evakuation erfolgen oder mittels medikamentöser Austreibung (Misoprostol). Ein abwartendes Management kann unter engmaschiger klinischer Kontrolle bei Aborten vor der 13. SSW und klinisch stabilen Patientinnen vorgenommen werden. Liegt ein septischer Abort aufgrund einer bakteriellen Infektion vor, ist eine parenterale antibiotische Therapie inklusive Kürettage indiziert.

Frühgeburtlichkeit

Von einer Frühgeburt wird gesprochen, wenn die Geburt vor der vollendeten 37. SSW erfolgt. Die Frühgeburt ist bei weitem der häufigste Grund für neonatale Morbidität und Mortalität. Diese ist umso höher, je geringer das Gestationsalter bzw. Geburtsgewicht ist. Die in vielen Ländern zu beobachtende Tendenz zur Frühgeburtlichkeit steht vermutlich im Zusammenhang mit der Reproduktionsmedizin und dem steigenden maternalen Alter; sie konnte trotz zahlreicher Präventionsmaßnahmen nicht gesenkt werden. Unter den fetalen und maternalen Risikofaktoren, die zur Frühgeburtlichkeit führen, besteht nicht bei allen eine therapeutische Option. In ausgewählten Fällen kann am Ende des 1. Trimenons oder zu Beginn des 2. Trimenons auch eine Zerklage indiziert sein. Als Maßnahmen der Tertiärprophylaxe stehen die Tokolyse (Beta-Sympathomimetika, Oxytocinantagonisten, ggf. Kalziumblocker oder NSAR), Lungenreifung mit Betamethason und die Verlegung der Schwangeren in ein Perinatalzentrum zur Verfügung.

Übertragung

Im Vergleich zu Termingeburten ist auch die Übertragung mit einer höheren perinatalen Morbidität und Mortalität verbunden. Dabei ist die Übertragung definiert als eine Schwangerschaftsdauer über die 41. SSW hinaus. Als wichtigste Ursache der Übertragung gilt die fehlende oder unzureichende Erregbarkeit der Uterusmuskulatur. Eine Übertragung geht einher mit Risiken für das Neugeborene (Mortalität, Körpergröße und Reifestörungen), aber auch mit solchen für die Schwangere (Dystokie, erhöhte Sektiorate). Für ein optimales Management der Schwangeren ist die genaue Bestimmung des Gestationsalters in der Frühschwangerschaft mittels sonografischer Messung der Scheitel-Steiß-Länge unabdingbar. Das Management der Übertragung umfasst die antenatale fetale Überwachung, das Priming und die Einleitung der Geburt bei Zeichen fetaler Gefährdung.

Literatur

M. Hartog

Frauenklinik Universitätsspital Basel

Spitalstrasse 21

CH-4031 Basel

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