Psychiatrie und Psychotherapie up2date 2008; 2(05): 305-320
DOI: 10.1055/s-2008-1067415
Abhängigkeitserkrankungen

Alkoholfolgeerkrankungen

Bernd Lenz
,
Stefan Bleich
,
Thomas Hillemacher
Kernaussagen

Chronischer Alkoholgenuss – egal welchen Ausmaßes – beeinflusst die psychische, somatische und soziale Integrität des Betroffenen. Jährlich sterben in Deutschland ca. 42 000 Personen, deren Tod direkt (z. B. durch Alkoholmissbrauch) oder indirekt (z. B. durch einen alkoholisierten Unfallverursacher) in Verbindung mit Alkohol steht. Es gibt kaum ein Organ, das nicht unter chronischem Alkoholkonsum leidet. Dementsprechend sind die Folgeerkrankungen mannigfaltig und auch in der Psychiatrie von Bedeutung.

Wichtig für den Kliniker ist es, die Tragweite von Alkoholgebrauch, -missbrauch und -abhängigkeit als Ursache für assoziierte Erkrankungen zu erkennen. Gerade die Kenntnis klinischer Leitsymptome und der gezielte Einsatz weiterführender diagnostischer Maßnahmen können helfen, Folgeerkrankungen frühzeitig zu erkennen und die Patienten einer adäquaten Therapie zuzuführen. Die wichtigsten neuropsychiatrischen Folgeerkrankungen bei Alkoholabhängigkeit umfassen die akute Alkoholintoxikation, den Entzug, das Delir, Krampfanfälle und später auftretende Zustände wie degenerative Veränderungen von Zerebellum und Zerebrum sowie Myopathien und Polyneuropathien.

Viele Folgeerkrankungen können nach dem heutigen Stand der Forschung nur unzureichend behandelt werden, was jedoch die Bedeutung prophylaktischer Maßnahmen unterstreicht. Gelegentlich kann unter Einsatz leitliniengerechter Therapie das klinische Bild aber deutlich gebessert, wenn auch nicht immer geheilt werden.



Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
13. Juni 2008 (online)

© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York