Gesundheitswesen 2008; 70(3): 170-176
DOI: 10.1055/s-2008-1062731
Originalarbeit

© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Die ambulante Versorgung von Schlaganfallpatienten aus Sicht von Hamburger Hausärzten - eine explorative Studie

Outpatient Management of Stroke Patients from the Viewpoint of General Practitioners in Hamburg - An Exploratory Study[1] A. Barzel 1 , M. Eisele 1 , H. van den Bussche 2
  • 1Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Institut für Allgemeinmedizin, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
  • 2Direktor, Institut für Allgemeinmedizin, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
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Publication Date:
15 April 2008 (online)

Zusammenfassung

Ziel: Der Schlaganfall ist der Prototyp einer chronischen Erkrankung, deren Hauptlast in der ambulanten Versorgung liegt. Nach Rückkehr aus Klinik oder stationärer Rehabilitation werden Schlaganfallpatienten in erster Linie unter hausärztlicher Ägide betreut. Da über die Qualität der Versorgung in dieser Nachsorgephase wenig bekannt ist, wurde die vorliegende Untersuchung durchgeführt, um die Versorgungssituation von Schlaganfallpatienten aus der Sicht der professionellen, ambulanten Versorger zu beleuchten.

Methodik: Postalische Befragung von 443 Hamburger Hausärzten. Die Ergebnisse wurden mit denen einer parallelen Befragung von Physio- und Ergotherapeuten verglichen.

Ergebnisse: Insgesamt konnten 89 Fragebögen ausgewertet werden. Bei einer Rücklaufquote von 28% sind die Ergebnisse nicht als repräsentativ zu werten, liefern aber dennoch wichtige Hinweise. So scheint das Versorgungsproblem nicht in der nachstationären Phase zu beginnen, sondern durch die stationäre Phase mitbedingt zu sein. Therapieerfolge in der ambulanten Nachsorge sehen die Hausärzte nur bei knapp der Hälfte ihrer Patienten. Ihr eigenes therapeutisches Handeln beurteilen sie hinsichtlich medikamentöser Maßnahmen positiv, weniger gut gelingt es ihnen, Lebensstil verändernde Verhaltensweisen zu bewirken. Das Auftreten einer Post-stroke-depression wird bei einer mittleren Prävalenz von 47% sehr unterschiedlich eingeschätzt. Bei der Wahrnehmung ihrer Aufgaben kommen 60% der Hausärzte nach eigener Einschätzung ohne Leitlinien aus. Insgesamt beschreiben die Befragten eine komplexe, problembeladene, schwierig zu bewältigende Versorgungssituation der Patienten und Angehörigen. Dabei übernehmen sie - ebenso wie die Therapeuten - neben ihren berufsspezifischen Aufgaben zu einem großen Teil auch Aufgaben des case management.

Schlussfolgerung: Die Versorgung von Schlaganfallpatienten ist nicht Angelegenheit einer einzelnen Berufsgruppe, sondern ein komplexes, arbeitsteiliges Unterfangen. Die Prozessabläufe und Schnittstellenprobleme bedürfen der genaueren Analyse, um eine gute Kooperation der professionellen Versorger sicherzustellen und die Qualität der ambulanten Versorgung von Schlaganfallpatienten zu verbessern.

Abstract

Objective: Stroke is the archetype of a chronic disease, with a considerable burden on ambulatory care. After discharge from hospital or inpatient rehabilitation, stroke patients are attended primarily by general practitioners (GPs). Little is known about the quality of outpatient care for stroke patients, so this study focused on the views of professionals involved in outpatient care.

Methods: A postal survey of 443 general practitioners from Hamburg, Germany was undertaken. Results were compared with a parallel survey carried out with physiotherapists and occupational therapists.

Results: 89 questionnaires were analysed. Based on a response rate of 28% the results cannot be seen as representative, but they do provide important information. As it seems, problems in ambulatory care do not start after discharge from hospital, but are partly caused by inpatient care. GPs see therapeutic benefits in ambulatory care for only half of their chronic stroke patients. They assess their own therapeutic efforts as effective in terms of medication, but they are less successful in changing their patients’ behaviour with regard to lifestyle. Estimations of the prevalence of post-stroke depression vary substantially, with a mean of 47%. With regard to their daily practice, 60% of GPs do not find guidelines to be helpful. All in all, respondents describe the situation of chronic stroke patients and their families to be complex and difficult to manage. In addition to their professional performance, GPs carry out duties related to case management - as do the therapists.

Conclusion: The care of stroke patients is not only the responsibility of a single group of professionals, but is a rather complex task involving different health-care professionals. The rehabilitation process and the interdisciplinary cooperation need to be further analysed to ensure a good cooperation between health-care professionals and to improve the quality of ambulatory care for stroke patients.

1 Diese Arbeit wurde von der Stiftung Deutsche Schlaganfall - Hilfe gefördert.

Literatur

1 Diese Arbeit wurde von der Stiftung Deutsche Schlaganfall - Hilfe gefördert.

Korrespondenzadresse

Dr. med. A. Barzel

Institut für Allgemeinmedizin

Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

Martinistraße 52

20246 Hamburg

Email: a.barzel@uke.uni-hamburg.de

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