Klinische Neurophysiologie 1980; 11(2): 84-88
DOI: 10.1055/s-2008-1061137
© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Vigilanzniveau und Spontannystagmus. ENG-Untersuchung über den Einfluß der Vigilanz auf den vestibulären Spontannystagmus

Vigilance and spontaneous nystagmus. An electronystagmographic studyD. Kömpf, B. Neundörfer, E. Wolpert, V. Kramer
  • Klinik für Neurologie der Medizinischen Hochschule Lübeck, Neurologische Klinik der Fakultät für klinische Medizin Mannheim der Universität Heidelberg, Psychiatrische Klinik am Zentralinstitut für seelische Gesundheit Mannheim
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Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
18. März 2008 (online)

Summary

To clarify the effects of enforced mental alertness upon spontaneous nystagmus (SPN), the ENG curves of 105 patients were studied. During examination for SPN the recordings were done under three test conditions: I: Patients instructed to , just relax” II: Mental activity alerted by silent mental arithmetics III. Recording after finishing the mental tasks

Using seven indices of SPN intensity, mental arithmetics caused a significant improvement in six. The Total Amplitude proved to be the most sensible parameter; there was still a significant improvement even after solving the tasks (test cond. III). A significantly higher rate of improvement has been found in patients with a faint SPN while relaxed, i.e. there was a negative correlation between intensity of SPN and the rate of activation.

Patients together with directional prepoderance (DP) had a significantly more intensive SPN than patients without DP or a slight DP only, while there was no difference in the rates of activation in both groups. Central or peripheral lesions did not cause a difference in SPN activation rates.

The results give further evidence to the considerable influence-of mental alertness upon SPN; the assumption of a fictitious absolute limit between physiologic and pathologic SPN seems questionable. Mental arithmetics proved to be appropriate to maintain vigilance at a high level.

Zusammenfassung

Der Effekt erhöhter geistiger Wachheit auf vestibulären Spontannystagmus (SPN) wurde anhand der elektronystagmographischen Registrierung von 105 Patienten untersucht, bei denen sich nacheinander folgende 3 Phasen gut abgrenzen ließen: I. Nachweis von SPN bei Ableitung in entspanntem Zustand, II. Nachweis von entsprechendem SPN während angehobenen Vigilanzniveaus durch Lösen von Kopfrechenaufgaben, III. Registrierung von SPN in entspanntem Zustand unmittelbar nach Beendigung der Aufgaben. Die Intensität des SPN wurde in allen drei Phasen anhand von 7 Parametern berechnet.

Eine signifikante Intensitätssteigerung bei erhöhtem Vigilanzniveau (Phase II) konnte in 6 Parametern nachgewiesen werden. Die Gesamtamplitude erwies sich als trennschärfster Parameter; hier zeigte sich auch unmittelbar nach Lösung der Aufgaben (Phase III) noch eine signifikante Intensitätssteigerung. Die Aktivierungsrate korrelierte negativ mit der Ausgangsintensität, i.e. ein gering intensiver SPN in entspanntem Zustand wird bei angehobenem Vigilanzniveau prozentual signifikant stärker aktiviert als ein schon in der Ausgangssituation intensiverer SPN. Diejenigen Patienten, die gleichzeitig ein Richtungsüberwiegen (RÜ) bei den Drehprüfungen aufwiesen, zeigten signifikant höhere SPN-Ausgangswerte, unterschieden sich jedoch bezüglich ihrer Aktivierungsraten unter Vigilanzerhöhung nicht von den Patienten mit nur leichtem oder fehlendem RÜ. Patienten mit peripheren und zentral vestibulären Befunden wiesen ebenfalls keine signifikanten Unterschiede bezüglich ihrer SPN-Aktivierungsraten auf.

Der starke Einfluß der Vigilanz auf vestibulären SPN muß berücksichtigt werden, um vergleichbare Ergebnisse zu erhalten; Die Annahme einer fiktiven, absoluten Grenze zwischen physiologischem und pathologischem SPN erscheint fragwürdig.