Klinische Neurophysiologie 1982; 13(4): 149-153
DOI: 10.1055/s-2008-1061081
© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Ganznacht-Polygraphien bei Patienten mit schmerzhaften Erkrankungen

Full-night polygraphic registrations in patients with painful syndromsG. Coccagna, E. Lugaresi
  • Clinica delle Malatti Nervose e Mentali, Bologna
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Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
18. März 2008 (online)

Summary

Some painful syndromes characteristically occur relatively frequently during sleep or during the night. Some of these syndromes were studied by means of polygraphic recordings. It has been shown that REM sleep constitutes a particularly favorable moment in the triggering of anginal and duodenal ulcer pain and classic migraine and cluster headaches.

Another painful syndrome which typically occurs at night is restless legs syndrome. It is characterized by the onset of paresthesia or poorly defined pains usually localized in the legs and which arise when the patient lies down and prepares to go to sleep. The paresthesia compels the patient to thrash his legs or rub them together and in the more severe cases to get up often during the night and walk about. Polygraphic recordings have demonstrated that in addition to the paresthesia and motor agitation, these patients present myoclonic jerks in the legs which, after sleep has set in, become periodic. The sensory and motor symptomatology of this syndrome causes severe insomnia with reduced total sleep time and reduced deep slow sleep stages.

The syndrome of Restless Legs must be distinguished from another syndrome known as „painful legs and moving toes”. The latter, which also provokes serious alteration of nocturnal sleep, is characterized by causalgic pain of the lower limbs and of pseudorhythmic involuntary movements of the feet and fingers which are however present during wakefulness and do not decrease with movement. As for nocturnal cramps, it is not known whether they usually develop during a specific sleep stage.

Zusammenfassung

Eine Reihe schmerzhafter Syndrome treten kennzeichnenderweise verhältnismäßig häufig im Schlaf oder während der Nacht auf. Einige von ihnen wurden mit Hilfe polygraphischer Ableitungen untersucht. Dabei konnte gezeigt werden, daß der REM-Schlaf eine besonders begünstigende Wirkung auf das Auftreten von Schmerz bei Angina pectoris, Ulcus duodeni, bei klassischer Migräne und bei neuralgischer Migräne (cluster headache) hat.

Ein weiteres schmerzhaftes Syndrom, das typischerweise während der Nacht auftritt, ist das Syndrom der Anxietas tibiarum oder restless legs. Es ist durch Parästhesien oder schlecht definierbare Schmerzen gekennzeichnet, die gewöhnlich die Beine betreffen und dann auftreten, wenn sich der Patient zu schlafen anschickt. Die Parästhesien zwingen den Patienten, seine Beine ruhelos zu bewegen oder aneinander zu reiben und den schweren Verläufen auch mehrmals während der Nacht aufzustehen und herumzugehen. Polygraphische Untersuchungen haben gezeigt, daß neben den Parästhesien und der motorischen Erregung bei diesen Kranken auch Myokloni in den Beinen auftreten, die nach Schlafbeginn periodisch werden. Die sensorischen und motorischen Erscheinungen dieses Syndroms verursachen schwere Insomnie mit einer drastischen Verringerung der Gesarritschlafzeit und vor allem der tiefen Schlafstadien mit langsamen Wellen.

Das Syndrom der Anxietas tibiarum (restless legs) muß von einem anderen unterschieden werden, das als Syndrom der schmerzhaften Beine und schnellenden Finger bekannt ist. Auch dieses kann ernsthafte Störungen des Nachtschlafes bewirken und ist gekennzeichnet durch kausalgiforme Schmerzen der unteren Extremitäten und pseudorhythmische, unwillkürliche Bewegungen der Zehen und Finger, die allerdings auch während des Wachzustandes anhalten und bei Bewegungen nicht abnehmen. Von den nächtlichen Wadenkrämpfen ist nicht bekannt, ob sie sich im Zusammenhang mit einem bestimmten Schlafstadium entwickeln.