Aktuel Urol 1991; 22(5): 310-314
DOI: 10.1055/s-2008-1060520
Originalarbeiten

© Georg Thieme Verlag, Stuttgart · New York

Ergebnisse der Nierenfunktion nach Transplantation bei Protektion mit der Euro-Collins, der UW oder der HTK-Lösung

Results of Kidney Function after Transplantation under Protection with Euro-Collins, UW or HTK SolutionM. Kallerhoff1 , T. F. Weigel2 , F. E. Isemer3
  • 1Abteilung Urologie, Universität Göttingen (Direktor: Prof. Dr. R.-H. Ringert)
  • 2Abteilung Allgemeinchirurgie, Universität Göttingen (Direktor: Prof. Dr. H. J. Peiper)
  • 3St. Josefs-Hospital, Chirurgie, Wiesbaden (Chefarzt: Priv. Doz. Dr. F. E. Isemer)
Mit Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft-SFB 330 Organprotektion Göttingen
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Publication Date:
28 April 2008 (online)

Zusammenfassung

Nachdem bis vor ca. 3 Jahren nahezu ausschließlich die Euro-Collins(EC)-Lösung von den Transplantationszentren benutzt wurde, ist zunächst experimentell und dann auch klinisch die HTK(Histidin-Tryptophan-Ketoglutarat)-Lösung nach Bretschneider und die UW-(University of Wisconsin)-Lösung zur Protektion von Nieren eingeführt worden. Die Sofortfunktion der Nieren nach EC-Protektion war unbefriedigend, die frühzeitige Diagnostik der Transplantatabstöung bei initialer Nichtfunktion (ATN) problematisch. Das Ziel unserer Untersuchungen war, die z. Z. verwendeten Lösungen in ihrer postischämischen Transplantatfunktion zu untersuchen. Als Parameter diente das Serumkreatinin, die Kreatinin-Clearance, die fraktionelle Exkretion von Natrium, sowie die Frei-Wasser-Clearance. Alle Parameter wurden aus 24-h-Sammelurin bestimmt. Die Beobachtungszeit betrug bis zu 30 Tagen. Die mittlere kalte Ischämiezeit betrug in der EC-Gruppe (n = 18) 26 Stunden, in der UW-Gruppe (n = 17) 25 Stunden und in der HTK-Gruppe (n = 24) 21 Stunden. Die mittlere Anastomosenzeit belief sich in alien Gruppen auf ca. 25 Minuten. Das Spenderalter war in der UW-Gruppe mit 32 Jahren am geringsten, in der EC-Gruppe mit 42 Jahren am höchsten und lag in der HTK-Gruppe mit 39 Jahren dazwischen. Das Empfängeralter war vergleichbar. Die Zahl der Transplantatabstöungen lag in den drei Gruppen bei 55 % (EC), bei 41 % (UW) und bei 33 % (HTK). Die Rate der Sekundärausscheider lag bei 20,8 % (HTK), bei 23,5 % (UW) und bei 27,7 % (EC). Der postoperative Kreatininverlauf lag in der EC-Gruppe während der ersten 3 Wochen nach Transplantation um 1 mg% über den beiden anderen Gruppen. Nach 3 Wochen betrugen die Kreatininwerte aller drei Gruppen 2-2,5 mg%, wobei die HTK-Nieren und UW-Nieren bereits nach 2 Wochen bei 2,5 mg% angelangt sind. Die Kreatinin-Clearance steigt in der EC-Gruppe von 20 ml/min auf knapp 40 ml/min an, während die UW-Nieren bis auf 60 ml/min ansteigen und danach bis auf 40 ml/min abfallen. Die HTK-Nieren steigen von 30 ml/min nach der Transplantation auf 50 ml/min an. Die FE(Natrium), zur Beurteilung des proximalen Tubulus, beträgt in der EC-Gruppe 10 %, in der UW-Gruppe 4 % und in der HTK-Gruppe 3 % nach 3-5 Tagen. Die Frei-Wasser-Clearance, als Parameter für den distalen Tubulus bzw. das Sammelrohr liegt in der EC-Gruppe bei -0,5 ml/min, in der UW Gruppe zwischen -0,5 und -1,0 ml/min ebenso wie in der HTK-Gruppe. Die EC-Lösung bewirkt eine schlechtere Nierenfunktion im Vergleich zur UW- oder HTK-Lösung sowohl in bezug auf die glomeruläre Filtrationsrate als auch auf die tubulären Parameter. Sowohl die UW- als auch die HTK-Lösung sind in allen Parametern der EC-Lösung überlegen. Die HTK-Protektion führt zu einem gleichmäigen Anstieg der Kreatinin-Clearance (GFR) im Vergleich zur UW-Lösung und hat die höchste Primärausscheiderrate, obwohl das Spenderalter wesentlich höher liegt als in der UW-Gruppe.

Abstract

Until 3 years ago mainly the Euro-Collins (EC) solution was used by the transplant centers. First experimentally and then also clinically the HTK (Histidine-Tryptophane-Ketoglutarate) solution of Bretschneider and the UW (University of Wisconsin) solution were introduced. The initial kidney-function after EC protection was not satisfying, the early diagnosis of transplant rejection at initial nonfunctioning (ATN) was difficult. The aim of our study was to investigate the three solutions on the basis of postischemic kidney function. Parameters were the serum creatinine, the creatinine clearance, the fractional sodium excretion and the free water clearance. All parameters were measured from 24-hours urine samples. The follow up was 30 days. Mean cold ischemic time was 26 hours in the EC group (n = 18), 25 hours in the UW group (n = 17) and 21 hours in the HTK group (n = 24). The time for vascular anastomosis was in all groups approximately 25 minutes. Donor age was in the UW group 32 years, in the EC group 42 years and in the HTK group 39 years. Age of recipients was similar in the 3 groups. The frequency of rejections was 55 % (EC), 41 % (UW) and 33 % (HTK). The rate of secondary function was 20,8 % (HTK), 23,5 % (UW) and 27,7 % (EC). The postoperative serum creatinine levels were in the EC group during the first 3 weeks about 1 mg% higher than in the other groups. After 3 weeks serum creatinine levels were in all groups between 2-2.5 mg%. The creatinine clearance increased in the EC group from 20 ml/min to almost 40 ml/min, in the UW group initially to 60 ml/min and down again to 40ml/ min. Creatinine clearance in HTK kidneys rose from 30ml/min to 50ml/min. After 3-5 days the FE(sodium), for evaluation of proximal tubulus function, was 10 % in the EC group, 4 % in the UW group and 3 % in the HTK group. The free water clearance, for measuring concentration ability, was -0,5 ml/min in the EC group, in the UW and HTK group between -0,5 to -1,0 ml/min. The use of EC solution leeds to an inferior kidney function when compared to UW or HTK solution both in respect to glomerular filtration rate and tubular function. HTK protection leads to a constant increase of the creatinine clearance (gfr) compared to the UW protection and has the highest primary function rate even though the donor age was higher than in the UW group.