Aktuel Urol 1991; 22(5): 294-298
DOI: 10.1055/s-2008-1060517
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© Georg Thieme Verlag, Stuttgart · New York

Die palliative supravesikale Harnableitung mittels ausgeschalteter Dünndarmschlinge

Palliative Internal Urinary Diversion with a Proximal Small Bowel SegmentK.-D. Höhle, W. Röder
  • Chirurgische Abteilung des St. Hildegardis Krankenhaus Mainz (Chefarzt: Prof. Dr. K.-D. Höhle)
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Publication Date:
28 April 2008 (online)

Zusammenfassung

Die konventionellen Verfahren der Harnableitung berücksichtigen nicht den chirurgischen Patienten, der bereits ein Stoma trägt. Wir haben deshalb nach einem Verfahren gesucht, das dem Kranken die Lebensqualität erhält. Die ausgezeichneten Ergebnisse mit der Y-förmig ausgeschalteten Dünndarmschlinge nach Roux in der Chirurgie haben uns veranlaßt, dieses Verfahren auch bei der einseitigen Harnableitung anzuwenden.

Wegen der anders gearteten Resorptionsbedingungen haben wir uns für die proximale Anastomosierung des Ureters entschieden. Auf diese Weise wird der Darminhalt nicht wesentlich verdünnt. Daß keine metabolischen Störungen, kein Kaliumverlust und auch keine Störung des Kalziumgehaltes eingetreten sind, liegt sicherlich an der Kompensation durch die andere Niere. Eine aufsteigende Infektion ist wenig wahrscheinlich, wie Erfahrungen mit der biliodigestiven Anastomose zeigen, zumal der Flow wesentlich gröer als bei einer biliodigestiven Anastomose ist.

Aufgrund unserer ausgezeichneten Erfahrungen mit der einseitigen inneren Harnableitung, möchten wir dieses Verfahren für die Patienten, die aufgrund ihres Tumorleidens nur noch ein begrenztes Leben vor sich haben, empfehlen. Ein Rezidivverschluß, wie z. B. bei einer Neuimplantation in die Harnblase, ist nicht zu erwarten, das Operationsrisiko ist relativ gering.

Abstract

Conventional strategies of urinary diversion do not appreciate the surgical patient who already has an ileostomy or colostomy. To increase the quality of life, we have looked for a different type of urinary diversion for those patients. The superior results of the Roux-en-Y reconstruction in small bowel disease have stimulated us to use this type of procedure for unilateral urinary diversion.

Because of the special absorption conditions we used a proximal small bowel segment for the anastomosis of the ureters. By doing this the bowel contents are not significantly diluted. We did not find any metabolic changes or electrolyte disturbancies, especially no potassium loss and no alteration of the calcium metabolism. However, this might be explained by compensation of the contralateral kidney.

An ascending infection is unlikely, as has been shown with the biliodigestive anastomosis, especially since the flow is higher than in a biliodigestive anastomosis.

Our results with the unilateral internal urinary diversion let us recommend this procedure for patients with a limited life-span. Recurrent obstruction as seen in cases with a reimplantation of the ureter into the urinary bladder is unlikely, the operative risk is relatively low.