Der Klinikarzt 2008; 37(1): 13
DOI: 10.1055/s-2008-1052290
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Medizinische Kommunikation

Wolfgang U. Eckart
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Publication Date:
18 February 2008 (online)

Kommunikation (lat. communicare = teilen, mitteilen) bedeutet gemeinhin ein gemeinschaftliches Handeln, in dem Gedanken, Ideen, Wissen, Erkenntnisse und Erleben mitgeteilt werden. Kommunikation in diesem Sinne bedient sich eines ganzen Spektrums von Zeichensystemen, unter denen die Sprache nur das bedeutendste ist. Hinzu treten gleichwertig, ergänzend oder ersetzend auch Gestik, Mimik, Schrift, Bild oder Musik.

Sprachliche Zeichensysteme als Träger vereinbarter Bedeutungen in ihrem jeweiligen sozialen oder kulturellen Kontext dienen durch ihre aktive und passive Kommunikation der Übermittlung, der Aufnahme oder dem Austausch von Informationen zwischen Personen. Sie sind damit zum einen originäre Erkenntnisquellen, andererseits können sie auch Prozesse in Gang setzen, die Problemlösungen anstreben und an deren Ende möglicherweise sogar neue Erkenntnisse stehen. Die menschliche Kommunikation ist dabei untrennbar verbunden mit dem Lebens- und Erlebenskontext der Kommunizierenden - ja sie ist sogar elementarer Teil gemeinsamer Lebenspraxis, in der mitteilende Zeichensysteme immer wieder neu als kommunizierbare Sprachen entstehen.

In der Körper- und Kulturgeschichte unserer westlichen Medizin kann die Bedeutung der Kommunikation kaum hoch genug bewertet werden. Der individuelle Körper selbst ist durch den menschlichen Geist Kommunikator seiner Störungen. Durch Schmerz und Unwohlsein spricht er zu uns, wenn er Fehlfunktionen nicht mehr - unmerklich - kompensieren kann und veranlasst uns damit, die Dysfunktion als primäre Quelle des Leidens wahrzunehmen. Scheitern dann instinktives oder rationales Mühen um Selbsthilfe, erinnert sich der leidende Mensch („homo patiens”) an seine soziale Existenz („homo socialis”) und bittet um das, was er sonst selbst zu gewähren gewohnt ist: um Hilfe im Leid.

Diese Bitte um ein Einfühlen in das Leid des anderen („empathia”), um wohlwollendes Mitfühlen („sympathia”), und schließlich um Beistand im Leid („therapia”) ist die Grundkonstellation jeder Kommunikation zwischen Patient, Helfer und Heiler. So komplex wie die Zeichensysteme dieser intimen Kommunikation (Sprache, Schweigen, Schrift, Blick, Haut, Gestik, Mimik, Motorik, körperliche Erscheinung) sind auch die Informationen in wechselnder Richtung, die durch sie transportiert werden.

Am Anfang steht meist die spontane Erzählung („narratio”) des Patienten, die der Arzt durch Hören, Verstehen, Bestätigen, Nachfragen oder Erklären aufnehmen, kommentieren, verstärken, abschwächen oder ergänzen kann. Diese Form der Kommunikation sucht zunächst Verstehen im Leid und erbittet Bereitschaft zur Hilfe. Aber auch Hilfe als Linderung, kausale Behebung oder palliative Umsorgung bedarf der gelungenen Kommunikation, um ihren Plan und ihr Ziel zu erläutern, um ein Einverständnis des Leidenden mit dem erfassten Hilfsangebot des Helfers („informed consent”) zu bewirken, um helfendes Handeln zu stützen, zum Erfolg zu führen und abzusichern.

Das Wissen um die zentrale Bedeutung der Kommunikation in der klinischen und ambulanten ärztlichen Praxis, über die hier noch vieles zu sagen wäre, hat uns ermuntert, dieser Thematik ein ganzes Themenheft des klinikarzt zu widmen. In ihm können nicht alle, zumindest aber doch einige Facetten und Probleme ärztlicher Kommunikation in aktueller und historischer Perspektive thematisiert werden. Immerhin reicht das Spektrum vom Thema „Gespräche mit Patienten”, „Konsiliarkorrespondenz”, „Krankengeschichte” und „Schweigepflicht” bis hin zum „Arztgespräch bei Theodor Fontane und Thomas Mann”.

Prof. Dr. Wolfgang U. Eckart

Heidelberg

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