Fortschr Neurol Psychiatr 2008; 76(6): 366-377
DOI: 10.1055/s-2008-1038115
Fort- und Weiterbildung
© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Verkehrssicherheit unter Psychopharmakatherapie

Road Safety under Psychiatric Drug TargetingA.  Brunnauer1 , G.  Laux1
  • 1Fachkrankenhaus für Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatische Medizin und Neurologie, Akademisches Lehrkrankenhaus der Ludwig-Maximilians-Universität München
Further Information

Publication History

Publication Date:
29 May 2008 (online)

Lernziel

Wer über die Lebensqualität seiner Patienten nachdenkt, wird unweigerlich auch mit Fragen der Verkehrssicherheit konfrontiert werden. Dabei ist zu bedenken, dass der Straßenverkehr nur einen Bereich von Alltags- und Unfallrisiken darstellt. Etwa 94 % der jährlich weit über 8 Millionen Unfallverletzungen in Deutschland stammen aus den Lebensbereichen Arbeit, Schule, Haushalt und Freizeit.

Psychopharmaka stellen eine zentrale Komponente bei der Behandlung psychischer Erkrankungen dar. Durch die Weiterentwicklung der medikamentösen Behandlungsmöglichkeiten hat sich die Prognose neuropsychiatrischer Erkrankungen deutlich gebessert. Der behandelnde Arzt sollte Psychopharmaka sorgfältig auch unter verkehrsmedizinischen Aspekten auswählen. Aus juristischer Sicht ist der Behandelnde dazu verpflichtet, den Patienten auf mögliche Konsequenzen der Erkrankung und der medikamentösen Therapie hinzuweisen.

Im Folgenden werden in Anlehnung an die Begutachtungs-Leitlinien zur Kraftfahrereignung der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) der Themenkomplex Arzneimittelbehandlung und Verkehrssicherheit erörtert und die für die klinische Praxis relevanten Aspekte dargestellt.

Fallbeispiel

Ein 37-jähriger Patient, verheiratet, Vater von 2 Kindern, seit 5 Wochen in psychiatrischer Behandlung aufgrund einer rezidivierenden depressiven Störung ohne somatische Symptome, kommt kurz vor der Entlassung aus der stationären Behandlung zur Untersuchung mit der Fragestellung der beruflichen Wiedereingliederung. Als selbstständiger Versicherungskaufmann ist er auf sein Kraftfahrzeug angewiesen. Er legt berufsbedingt täglich oftmals mehr als 200 km zurück. Zur Untersuchung kommt er unter medikamentösen Steady-State-Bedingungen (Citalopram 40 mg); die depressive Symptomatik ist weitgehend remittiert (HAMD-17 = 12). Im Anamnesegespräch gibt er zu verstehen, dass er die Befürchtung habe, dass trotz deutlicher Verbesserung der affektiven Symptomatik seine Leistungsfähigkeit noch beeinträchtigt sei. Aus versicherungsrechtlichen Überlegungen möchte er wegen seiner Tätigkeit im Außendienst seine Fahrtüchtigkeit im Rahmen einer informellen Abklärung untersuchen lassen.

Literatur

Dr. rer. nat. Dipl.-Psych. Alexander Brunnauer

Abteilungsleiter Neuropsychologie, Inn-Salzach-Klinikum, Fachkrankenhaus für Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatische Medizin und Neurologie, Akademisches Lehrkrankenhaus der Ludwig-Maximilians-Universität München

Gabersee 13

83 512 Wasserburg a. Inn

Email: alexander.brunnauer@inn-salzach-klinikum.de