Z Gastroenterol 2008; 46 - P5_26
DOI: 10.1055/s-2008-1037675

Erhöhte Gefäßelastizität mesenterialer Widerstandsgefässe bei experimenteller Leberzirrhose

R Wiest 1, L Moleda 1, M Resch 2, S Fredersdorf 2, J Schoelmerich 1, D Endemann 2
  • 1Klinik und Poliklinik für Innere Medizin I der Universität Regensburg, Regensburg
  • 2Klinik und Poliklinik für Innere Medizin II, Regensburg

Hintergrund: Die Vasodilatation im Splanchnikusgebiet ist bei Leberzirrhose von entscheidender pathophysiologischer Bedeutung für die Entwicklung des hyperdynamischen zirkulatorischen Syndroms. Dieses Phänomen wurde bislang auf eine Hyporeaktivität für endogene Vasokonstriktoren zurückgeführt. Allerdings wurden bislang die passiven mechanischen Wandeigenschaften der mesenterialen Arterien bei Leberzirrhose nicht berücksichtigt. Methoden: Bei Sprague Dawley Ratten wurde durch Inhalation von Tetrachlorkohlenstoff (3x/Woche) eine Leberzirrhose (LZ) mit Aszites induziert. Mesenteriale Widerstandsarterien (MEWA) wurden mittels in vitro Perfusion in einem Myographen untersucht. Die vaskuläre Reaktivität wurde durch kumulative Exposition von Noradrenalin (10–4 –10–8 logM) getestet. Es wurde die relative Veränderung des Lumens und der Mediadicke nach definierter, stufenweiser Erhöhung des intraluminalen Drucks nach Calcium-Depletion der Gefäße untersucht. Ergebnisse: Wie bereits bekannt, zeigte sich bei Zirrhosetieren eine verminderte maximale Kontraktilität der MEWA auf Noradrenalin. Die relative Lumenzunahme der MEWA zeigte sich signifikant höher in LZ Ratten im Vergleich zu Kontrolltieren (Fig.1). Die Kurve des Verhältnisses von intramuralem Druck und relativer Lumenzunahme war hierbei in LZ Ratten nach rechts verschoben (Fig.2). Dies weist auf eine gesteigerte Gefäßelastizität, d.h. Wandbeschaffenheit aus weniger steifen Komponenten hin. Der Media-zu-Lumen Quotient dagegen, ein Maß der relativen Wanddicke, fand sich dagegen nicht signifikant verändert. Schlussfolgerung: Bei Leberzirrhose weisen mesenteriale Widerstandsarterien eine signifikant erhöhte Elastizität auf. Dies entsteht vor allem durch eine Veränderung der Wandbeschaffenheit und nicht durch eine Wandausdünnung. Diese Veränderungen spielen vermutlich in der Entwicklung der splanchnischen arteriellen Vasodilatation bei Leberzirrhose eine entscheidende pathophysiologische Rolle.