Geburtshilfe Frauenheilkd 1980; 40(10): 889-892
DOI: 10.1055/s-2008-1037234
Gynäkologie

© 1980 Georg Thieme Verlag, Stuttgart · New York

Skizze einer Bevölkerungspolitik

Outline of Demographic PoliticsW. Maier
  • Bayerisches Statistisches Landesamt, München
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Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
19. März 2008 (online)

Zusammenfassung

An den in der Bundesrepublik Deutschland gängigen bevölkerungspolitischen Argumenten wird Kritik geübt. Ferner wird versucht aufzuzeigen, warum eine pronatalistische Bevölkerungspolitik nicht so richtig „greift“: Um den Geburtenrückgang und die Abnahme der bundesrepublikanischen Einwohnerzahl aufzuhalten und eine entgegengesetzte Entwicklung einzuleiten, verspricht man sich etwas von der Verbesserung der Kinderbetreuung und Schwangerenberatung, von Hei rats- und Familiengründungsdarlehen, von neuen Ge setzen wie Wiedereinführung eines Kinderfreibetrags und Ausdehnung des Mutterschaftsurlaubs. Manver tritt die Meinung, durch eine Revision des Scheidungsrechts und des Paragraphen 218 dem Geburtenrückgang eine entscheidende Änderung zu geben. Ebenso gut könnte man ergänzend die Forderung aufstellen, „in den Schulen den Sexualkundeunterricht einzustellen, in jede Packung Antibabypillen einen Blindgänger einzubauen und von Zeit zu Zeit das elektrische Licht und das Fernsehgerät abzuschalten“. Jegliche Bevölkerungspolitik bedarf demgegenüber der Respektierung der Menschenwürde, der Anerkennung des Prinzips der sittlichen Autonomie, wonach es kein staatliches Gesetz, keine staatlichen Richtlinien geben darf, die die Menschen als nicht verbindlich zu erkennen vermögen. In modernen Industriegesellschaften kann ein angemessener Wohlstand nur durch Verlangsamung des Bevölkerungswachstums ermöglicht werden; das Wachstum der Bevölkerung kann, den heutigen Produktionsverhältnissen entsprechend, dem Wohlstand niemals vorausgehen.

Abstract

This paper is a critique of a present demographic politics of the Federal Republic of Germany. The reasons for a negative reaction of the population to the probirth population politics of the Government are described. In Order to reverse the decreasing birth rate and the decreasing population of the Federal Republic and in order to induce a reversed development, attempts are made to improve the childcare, the antenatal care, grants for marriage and founding of families und reintroduction of laws for tax deductions for children and an extension of maternity leave. A revision of the laws on divorce and abortion are thought ro reverse the pre sent population trends. It would be just as well to add laws against sexual education in the schools, to add blanks to birth control puls and to have electric blackouts and television blackouts from time to time. A realistic demographic politic does need to respect the individual dignitiy of man and needs to recognize the fundamental principal of the moral autonomy of man which prohibits the passing of laws by the state which can not be recognized as binding by the individual. In a modern industrial society a reasonable affluence must be achieved by slower population growth. Growth of the population can not preceed the achievement of reasonable affluence at present conditions of production.