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DOI: 10.1055/s-2008-1036968
© 1981 Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York
Das lange Becken in seiner Bedeutung für Klinik und Lehre
The Importance of the Long Pelvis in Clinical Practice and Medical EducationPublication History
Publication Date:
19 March 2008 (online)
Zusammenfassung
Um zu einer Aussage über die Bedeutung des langen Beckens als Folge der lumbo-sakraleh Assimilation für die Geburtshilfe zu kommen, wurden 111 röntgenologische Beckenuntersuchungen bei pathologischen Geburtsverläufen ausgewertet und den klinischen Daten gegenübergestellt. Die Häufigkeit des langen Beckens war weder im Gesamtkollektiv noch bei den 100 geburtsmechanischen Anomalien überhöht. Bei den 43 Beckenendlagen ließen sich ebenfalls nur in 30,2% lange Becken nachweisen. Auffallend ist, daß in 4 Fällen mit einem eindeutigen Kanalbecken die vaginale Entwicklung des Kindes ohne Schwierigkeit gelang. - Bei der hinteren Hinterhauptslage (n = 42) scheint dem langen Becken pathogenetische Bedeutung hinsichtlich der primär eingenommenen b-Stellung zuzukommen. Der weitere Geburtsverlauf wird indessen durch das lange Becken nicht beeinflußt. - In 7 Fällen von einem tiefen Querstand fand sich 4mal ein langes Becken, jedoch nur einmal ein Kanalbecken, das diese Einstellungsanomalie zu erklären in der Lage wäre. Aus dem Gesagten ergibt sich, daß das lange Becken auch in seiner schwersten Form, dem Kanalbecken, nicht in der Lage ist, die Adaptionsvorgänge im kleinen Becken in Form der erforderlichen Haltungs- und Einstellungsänderungen zu beeinträchtigen oder sogar zu blockieren. Den Veränderungen im Beckeneingang als Folge der lumbo-sakralen Assimilation kommt zunächst ursächliche Bedeutung bei den Störungen der Einstellung des vorangehenden Teiles zu(Beckenendlage, hoher Geradstand, Scheitelbeineinstellung, Roederersche Kopfhaltung). Dies erlaubt indessen keine prognostische Aussage über den weiteren geburtsmechanischen Ablauf! Damit wird auch das notwendige therapeutische Handeln nicht mehr von dem Vorhandensein des langen Beckens, sondern von der entstandenen Regelwidrigkeit bestimmt.
Abstract
The importance of the long pelvis with lumbo-sacral assimilation in obstetrics is evaluated. 111 x-rays of the pelvis in cases with abnormal deliveries were evaluated and compared to the clinical data. The incidence of the long pelvis was not increased in the total group, nor in the 100 cases with abnormal deliveries. A long pelvis was present in 30.2% of the 43 breech presentations. In 4cases with a funnel pelvis vaginal delivery occurred without difficulty. In 42 posterior vertex presentations the long pelvis appears to have a pathogenetic importance regarding the primary posterior position. The further course of the delivery was not influenced by the long pelvis. In 7 cases of low transverse arrest, 4 had a long pelvis but only 1 had a funnel pelvis to explain this abnormal position. In summary, the long pelvis even in its most severe form, the funnel pelvis, does not block the adaptation processes in the lesser pelvis. The changes in the pelvic inlet due to the lumbo-sacral assimilation have an etiologic importance on the initial presentation at the inlet such as breech presentation, military vertex presentation, brow presentation, or Roederers anomaly. However no prognostic value for the mechanism of the delivery can be derived from the initial presentation. The delivery does not depend on the long pelvis but on the malpresentation when delivery becomes necessary.
