Klin Monbl Augenheilkd 1995; 207(9): 200-202
DOI: 10.1055/s-2008-1035368
© 1995 F. Enke Verlag Stuttgart

Vortäuschung einer anterioren ischämischen Optikusneuropathie durch ein Optikusscheidenmeningeom

Optic Nerve Sheath Meningioma mistaken as Anterior Ischemic Optic Neuropathy (AION)Mechthild Guhlmann, Guntram Kommereil
  • Abteilung Neuroophthalmologie und Schielbehandlung der Universitäts-Augenklinik Freiburg (Dir.: Prof. Dr. G. Kommerell)
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Publikationsverlauf

Manuskript eingereicht am 26. 05. 1995

in der vorliegenden Form angenornmen

Publikationsdatum:
24. März 2008 (online)

Zusammenfassung

Hintergrund Das Optikusscheidenmeningeom manifestiert sich typischerweise mit einer diffusen Papillenatrophie und mit einem diffusen Gesichtsfeldausfall. Ein zu strenges Befolgen dieser Regel kann dazu führen, dass ein Optikusscheidenmeningeom im Frühstadium verkannt wird.

Patient Eine 45jährige Patientin stellte sich wegen einer allmählich zunehmenden Sehverschlechterung ihres rechten Auges vor. Die obere Papillenhälfte war atrophisch, die untere geschwollen. Im Gesichtsfeld war die untere Hälfte ausgefallen und die obere deprimiert. Es wurde die Diagnose einer zweizeitigen anterioren ischämischen Optikusneuropathie gestellt. Siebzehn Jahre später kam die Patientin mit einem Exophthalmus wieder, als dessen Ursache sich ein Optikusscheidenmeningeom herausstellte.

Diskussion Das Meningeom könnte vor 17 Jahren ein oder zwei hintere Ziliararterien umwachsen und verschlossen und dadurch zum Bild der AlON geführt haben. Denkbar wäre aber auch, dass das Meningeom zunächst die oberen Sehnervenfaserbündel zerstört hat, und die Schwellung der unteren Papillenhälfte sich als Folge einer allmählichen Kompression der Zentralvene und eines Rückstaus von Axo-plasma in den noch verbliebenen Fasern erklärt.

Schlußfolgerung Bei der Kombination von Schwellung und Atrophie einer Papille ist an ein Optikusscheidenmeningeom zu denken, selbst wenn die beiden Komponenten in unterschiedlichen Sektoren lokalisiert sind. Im Gegensatz zu dem für anteriore ischämische Optikusneuropathie typischen akuten Sehverlust entwickelt sich die Sehstörung beim Optikusscheidenmeningeom schleichend.

Summary

Background The optic nerve sheath meningioma usually presents with a diffuse atrophy of the disc and a diffuse depression of the visual field. Applying this rule too rigidly can lead to a false diagnosis.

Patient A 45y-old-woman presented with atrophy of the upper disc and a corresponding altitudinal field defect in her right eye. AION was diagnosed. Seventeen years later the patient returned with an exophthalmus. The disc was atrophic and a shunt vessel connected the central retinal vein with the choroid. CT revealed an orbital mass. The diagnosis of an optic nerve sheath meningioma was made and confirmed at surgery.

Discussion The meningioma may have occluded an upper posterior ciliary artery, mimiking an AION. Alternatively, the meningioma may have destroyed the fibers running through the upper half of the disc and caused swelling of the remaining fibers in the lower half of the disc.

Conclusion In the combination of swelling and atrophy of one disc an optic nerve sheath meningioma should be considered, even if the two components are located in different sectors. In optic nerve sheath meningioma vision decreases insidiously as opposed to the acute drop typical for anterior ischemic optic atrophy.

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