Klin Monbl Augenheilkd 1995; 207(8): 95-101
DOI: 10.1055/s-2008-1035355
© 1995 F. Enke Verlag Stuttgart

Therapeutische hydrophile Verbandlinsen nach perforierender Keratoplastik bei schwerstverätzten Augen

Therapeutic, Hydrophilic Bandage Lenses After Penetrating Keratoplasty in Severest Eye BurnsRalf Kuckelkorn, Bernd Bertram, Claudia Redbrake, Martin Reim
  • Augenklinik der RWTH Aachen (Dir.: Prof. Dr. med. M. Reim)
Weitere Informationen

Publikationsverlauf

Manuskript eingereicht am 18.05.1995

in der vorliegenden Form angenommen

Publikationsdatum:
08. Februar 2008 (online)

Zusammenfassung

Hintergrund Die Prognose einer Keratoplastik nach schweren Verätzungen ist ungewiß. Neben häufigen Immunreaktionen spielen vor allem Oberflächenprobleme eine entscheidende Rolle.

Patienten und Methode 15 Patienten (16 Augen) mit schwerster Verätzung Grad IV wurden im Zeitraum von Juli 1991 bis Oktober 1993 mit einer perforierenden Keratoplastik mit großem Durchmesser (11-16 mm) versorgt. Alle Transplantate stammten aus der Hornhautkultur und verfügten über eine intakte Epitheldecke. Bei 9 Augen wurden schon intraoperativ hydrophile Verbandlinsen (Geaflex 70, Fa. Wöhlk, Kiel) eingesetzt, bei den übrigen 7 Augen innerhalb der ersten postoperativen Woche.

Ergebnisse Der Linsenradius, der für die meisten Hornhäute am besten geeignet war, mußte durch Ausprobieren ermittelt werden, da eine Hornhauttopographie bei diesen Augen für lange Zeit nicht möglich war. Bei 12 (75%) Augen war eine Steilanpassung mit Radien von ≤8,7 am besten geeignet. Eine Änderung der Linsenradien während der Behandlungsdauer war selten. Wegen eines klinisch ausgeprägten Sicca-Syndroms war die häufige Applikation von Tränenersatzmitteln von großer Bedeutung. Komplikationen während des Dauertragens der Linsen waren selten. Die regelmäßigen bakteriologischen Untersuchungen ergaben bei 5 Augen positive Keimnachweise, die ohne Komplikationen beherrscht werden konnten. Unter dem Schutz der Verbandlinsen konnten 9 Keratoplastiken dauerhaft eine stabile Epitheldecke ausbilden. Bei 7 Keratoplastiken kam es 9-24 Monate nach der Transplantation, meistens in der Folge schwerer Immunreaktionen, zu ausgeprägten Vaskularisationen in das Transplantat mit Ausbildung großflächiger Epitheldefekte. Diese Keratoplastiken wurden von konjunktivalem, entzündlichen Pannus überwachsen oder ulzerierten. Bei keiner dieser Keratoplastiken war die Verbandlinse ursächlich für den negativen Verlauf. Die Nachbeobachtungszeit betrug im Durchschnitt 22 Monate.

Schlußfolgerung Die Verwendung von großen Transplantaten und die gleichzeitige Anwendung einer Verbandlinse bietet eine gute Möglichkeit, die Integrität des Epithels bei diesen Risikokeratoplastiken dauerhaft zu schützen. Die Prognose dieser Risikokeratoplastiken wird allerdings durch das Auftreten von Immunreaktionen begrenzt.

Summary

Background The prognosis of penetrating keratoplasty after severe eye burns is uncertain. Beside of immune reactions the outcome is determined by surface problems.

Patients and methods Between July 1991 and October 1993 in 15 patients (16 eyes) with grade IV eye burns penetrating keratoplasties with large diameters (11-16 mm) were carried out. Cultered corneas were used with an intact epithelium. In 9 eyes hydrophilic bandage lenses (Geaflex 70, Fa. Wöhlk, Kiel) were applied initially, in the remainder 7 eyes within 7 days postoperatively.

Results The lens radius best suited was found out by trial, because corneal topography was not possible for many weeks. In 12 (75%) eyes the lens had to be fitted steep, with a radius from ≤8.7. A change in lens radius during the healing course was rare. The frequent use of artificial tear drops was important, because many eyes showed clinical manifestations of dry eye syndrom. Complications during soft contact lens wearing were rare. In 5 eyes microbiological examination was positive, but successfully treated. Under the protection of soft contact lenses 9 eyes maintained an intact epithelium. In the remainder eyes severe vascularisation with large persistent epithelial defects occured mostly as a consequence of immune reactions. These keratoplasties developed ongrowth of inflammatory pannus or progressive ulceration. The average of the follow-up time was 22 months.

Conclusion The use of large diameter keratoplasties in combination with hydrophilic bandage lenses proved to be successfull to maintain the integrity of the epithelium in these high-risk keratoplasties. The prognosis of these transplants is, however, determined by immune reactions.

    >