Laryngorhinootologie 1994; 73(1): 27-31
DOI: 10.1055/s-2007-997075
© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Mikrochirurgische Verfahren in der wiederherstellenden Hals-Nasen-Ohren-Chirurgie*

Microvascular Flaps in Reconstructive Head and Neck SurgeryK. Mees
  • HNO-Klinik, Klinikum Großhadern der Ludwigs-Maximilians-Universität München (Direktor: Prof. Dr. E. Kastenbauer)
* Herrn Prof. Dr. H. H. Naumann zum 75. Geburtstag gewidmet.
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Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
29. Februar 2008 (online)

Zusammenfassung

Zur Rekonstruktion von knöchernen und Weichteildefekten im Kopf-Hals-Bereich stehen heute eine Vielzahl von freien Transplantaten zur Verfügung. Haut, Schleimhaut, Fettgewebe, Muskel- oder Knochengewebe können inzwischen als solitäre oder als zusammengesetzte Transplantate aus den unterschiedlichsten Spenderregionen mikrovaskulär transplantiert werden. Die mikrochirurgischen Verfahren haben den gefäßgestielten Gewebetransfer nicht verdrängt, sie haben aber das Spektrum der Rekonstruktionsverfahren erweitert und subtilere und insbesondere funktionsgerechtere Behandlungskonzepte ermöglicht. In der täglichen Routine, aber auch bei speziellen Rekonstruktionsproblemen kommt der HNO-Chirurg mit einer begrenzten Anzahl von Transplantaten aus. Als besonders universell haben sich das Radialis-, Skapular-, Latissimus-dorsi-Transplantat und als Schleimhautersatz das jejunale Dünndarmgewebe erwiesen. Der Skapularlappen ist insbesondere sehr gut geeignet zur Rekonstruktion großflächiger zervikaler Hautweichteildefekte. Mit dem desepithelisierten Skapularlappen können atrophe und stark eingesunkene Gesichtsbezirke gut profiliert werden. Oberflächliche faziale Weichteildefekte lassen sich am besten mit einem kutanen Radialislappen verschließen. Die kutanen Skapular- und Radialistransplantate können auch als osteokutane Transplantate gehoben werden und eignen sich damit auch zum Verschluß begleitender mandibularer und maxillärer Knochendefekte. Dreischichtige Wangendefekte lassen sich sehr gut mit einem gefalteten dünnen Radialislappen verschließen, ebenso Schleimhautdefekte der Mundhöhlenwandungen. Zum Zungen-Mundbodenersatz ist allerdings der voluminösere muskulokutane Latissimus-dorsi-Lappen häufig das Transplantat der ersten Wahl. Im Oro- und Hypopharynx und insbesondere im zervikalen Ösophagus ist das Jejunum-transplantat anderen Transplantaten funktionell überlegen.

Summary

For reconstruction of bony and soft tissue defects numerous free flaps are available to the head and neck surgeon. Different tissues, as from skin, mucosa, fat, muscle or bone can be transferred by microvascular transplantation. Microvascular tissue transfer has completely replaced tissue transfer from distant donor sites and in daily routine now competes with pedicled tissue transfer. Most of the reconstructive problems can be solved by using a limited number of reliable and versatile flaps, e. g. forearm, scapular, latissimus dorsi and jejunal flap. The scapular flap offers advantages in reconstruction of extensive cervical soft tissue defects. In facial dysplasia, facial contours may be restored satisfactorily with a completely deepithelialised scapular flap. Facial soft tissue defects are closed most satisfactorily by cutaneous forearm flaps. Cutaneous scapular and forearm flaps also can be used as osteocutaneous flaps and are thus suitable for closure of additional mandibular and maxillary bony defects. The closure of large penetrating defects of the cheek is best achieved by the folded forearm flap. It also provides an ideal replacement of intraoral mucosa. For reconstruction of the tongue and the floor of the mouth the musculocutaneous latissimus dorsi flap generally shows the best functional results. In oro- and hypopharyngeal lining and replacement of the cervical Oesophagus the jejunal transplant is superior to the forearm flaps.

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