Fortschr Neurol Psychiatr 2008; 76(2): 92-96
DOI: 10.1055/s-2007-996168
Originalarbeit
© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Betriebliche Suchtprävention: Theoretisches Wissen vs. Handlungskompetenz durch Schulungsmaßnahmen

Substance Abuse Prevention in the Workplace: Theoretical Knowledge and Expertise After InterventionsS.  Loeber1 , O.  Klein1 , K.  Mann1 , B.  Croissant1
  • 1Lehrstuhl für Suchtforschung der Universität Heidelberg, Klinik für Abhängiges Verhalten und Suchtmedizin, Zentralinstitut für Seelische Gesundheit, Mannheim (Prof. Dr. med. Karl Mann)
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Publication Date:
04 January 2008 (eFirst)

Zusammenfassung

Trotz der inzwischen gestiegenen Nachfrage von Unternehmen und Betrieben nach suchtpräventiven Interventionsmaßnahmen und deren zunehmender Verbreitung und Bewährung in der Praxis, bilden empirische Untersuchungen zur Effizienz und Effektivität von suchtpräventiven Interventionsmaßnahmen nach wie vor die Ausnahme. In der vorliegenden Untersuchung wurden 100 Führungskräfte eines Unternehmens der chemischen Industrie, die ein Jahr zuvor an einer suchtpräventiven inhouse Weiterbildungsmaßnahme teilgenommen hatten, befragt. Die Daten von 22 Führungskräften, die bislang an keiner suchtpräventiven Weiterbildung teilgenommen hatten (NT), dienten als Vergleichsgruppe. Die suchtpräventive Interventionsmaßnahme wurde als theorieorientierte halbtägige Weiterbildungsmaßnahme in Gruppen mit jeweils 10 - 12 Führungskräften durchgeführt. Beim Vergleich von Seminarteilnehmern (ST) und NT zeigten sich insbesondere hinsichtlich des Wissens um das konkrete Vorgehen bei alkoholbedingten Auffälligkeiten im Betrieb signifikante Unterschiede. So gaben beispielsweise ST signifikant häufiger an, die Betriebsvereinbarung zu kennen. Auch verneinten ST häufiger als NT, man solle erst einmal abwarten, ob sich solche Probleme nicht von alleine wieder geben. Demgegenüber zeigten sich hinsichtlich der Umsetzung des theoretischen Wissens auf praktischer Ebene, beispielsweise durch den Vergleich der Anzahl geführter Gespräche, keine Hinweise auf signifikante Unterschiede zwischen ST und NT. Die Ergebnisse unserer Untersuchung lassen somit die Schlussfolgerung zu, dass die Einführung einer Betriebsvereinbarung Sucht und deren Vermittlung in theorieorientierten Seminaren nicht ausreichend sind, um konkrete Handlungskompetenz von Führungskräften zu bewirken. Entsprechende Kompetenzen müssen vielmehr durch realitätsnahe Workshops mit Rollenspielen und Feedback aufgebaut werden, um Handlungssicherheit zu erreichen.

Abstract

Although several companies are requesting interventions for substance abuse prevention at the workplace and a wide variety of interventions is successfully introduced into practice, empirical studies investigating the efficacy of such interventions are rare. In the present study 100 executive managers of a German chemical company, who had participated in an intervention to prevent substance consumption at the workplace one year before, were applied a questionnaire to assess effects of the intervention. Data from 22 managers, who had so far not received such an intervention, were collected to serve as a control condition. The intervention itself was designed as a theory oriented half a day course and was conducted in groups of 10 to 12 executive managers of the company. By comparing participants and non-participants, we found significant differences with respect to the knowledge how to deal with substance-related problems of staff members. For example, participants reported more frequently to know the company agreement about addiction. Further, participants reported less frequently to wait until such problems were solved anyway. However, we found no evidence for transfer of theoretical knowledge into practice. For example, we detected no significant group differences with respect to the number of appraisal interviews conducted because of substance-related problems. Taken together, the results of our study indicate, that the implementation of a company agreement about addiction and its introduction into practice based on theoretical courses is not sufficient to produce considerable effects. As an alternative, based on previous experiences we propose a series of workshops with role-plays and feedback to establish expertise in interviewing techniques with substance-related problems.

Literatur

Prof. Dr. med. Karl Mann

Klinikdirektor, Zentralinstitut für Seelische Gesundheit, Klinik für Abhängiges Verhalten und Suchtmedizin

J5

68159 Mannheim

Email: sucht@zi-mannheim.de