Pädiatrie up2date 2008; 3(3): 227-238
DOI: 10.1055/s-2007-995756
Atemwegserkrankungen

© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Asthma bei Schulkindern

Susanne  Lau, Eckard  Hamelmann
Further Information

Publication History

Publication Date:
15 August 2008 (online)

Einleitung

Asthma bronchiale ist die häufigste chronische Erkrankung im Schulkindalter. In Europa entstehen dadurch jährlich in etwa Kosten von 3 Milliarden Euro [1]. Asthma bronchiale bedeutet heute bei entsprechender Früherkennung und adäquater Therapie in der Regel keine signifikante Beeinträchtigung im Alltag von Schulkindern.

Epidemiologie

Pfeifende Atmung („wheeze”) weisen bis zu 30 % aller Säuglinge und Kleinkinder auf. Diese Symptomatik ist in der Regel viral bedingt, z. B. bei Infektion mit dem Respiratory Syncytial Virus (RSV). Die Patienten sprechen auf inhalative Betasympathomimetika bzw. systemische Steroide häufig mäßig an [2]. Auch die prophylaktische Inhalation mit Glukokortikoiden erhöht die Anzahl der symptomfreien Tage nur wenig (10 – 15 %).

Der Ablauf einer schweren viralen Infektion mit obstruktiver Bronchitis kann eine deutlich erhöhte bronchiale Reaktivität z. T. über Jahre hinterlassen. Trotzdem entwickelt nur etwa ein Drittel der Kinder mit pfeifender Atmung im Kleinkindesalter ein Asthma bronchiale im Schulalter. Asthma bronchiale im Schulalter betrifft insgesamt 10 % aller Kinder. Die deutsche multizentrische Allergiestudie MAS Bergmann 1994 zeigt eine konstante Prävalenz vom 6. – 12. Lebensjahr [3]. Während und nach der Pubertät kommt es dann zu einen leichten Anstieg auf 13 % (Abb. [1]) [4].

Die Remission der Erkrankung bzw. ihre Neuentstehung sind zu jedem Zeitpunkt möglich. Etwas 65 % der Asthmatiker von 10 Jahren wiesen bereits im Vorschulalter asthmatische Symptome auf. Zwei Drittel aller Schulkinder mit Asthma bronchiale zeigen eine allergische Sensibilisierung gegen Inhalationsallergene.

Abb. 1 Inzidenz von pfeifender Atmung in der multizentrischen Allergiestudie (mod. nach MAS 4). Merke: Die elterliche Anamnese für Asthma bronchiale und eine Sensibilisierung gegen Innenraumallergene in den ersten 3 Lebensjahren sind Prädiktoren für Asthma bronchiale im Schulalter 5 6.

In Geburtskohortenstudien konnte gezeigt werden, dass eine leichte Reduktion der Lungenfunktion bei asthmatischen Kindern bereits bis zum 3. Geburtstag sichtbar wird [7]. Danach nimmt die Lungenfunktion relativ betrachtet nicht weiter ab [7] [8] [9]. Stattdessen verläuft sie parallel zu den Nicht-Asthmatikern auf einem niedrigeren Niveau. Ob es Faktoren gibt, die diese Entwicklung fördern bzw. verhindern können, ist unklar. Es scheint, dass auch eine suffiziente leitliniengetreue Therapie mit entzündungshemmenden Substanzen diese Entwicklung nicht beeinflussen, sondern nur die Häufigkeit von Symptomen modifizieren kann [10]. Eine norwegische Studie zeigt, dass Neugeborene mit leicht erniedrigtem Atemzugvolumen ein erhöhtes Asthmarisiko im Schulalter haben. Dies unterstützt die Theorie, dass Asthma angeboren sein könnte [11].

Pathophysiologie Merke: Grundlage des Asthma bronchiale ist eine Entzündung der Bronchialschleimhaut.

Die Entzündung führt zur Einwanderung von eosinophilen Granulozyten und Aktivierung von T-Lymphozyten. Becherzellen sezernieren glasigen Schleim und die Bronchialmuskulatur kontrahiert sich. Dies ist zumindest bei Kindern und am Anfang einer Erkrankung reversibel. Eine Verdickung der bronchialen Basalmembran kann man schon bei Kleinkindern mit Asthma nachweisen. Dies ist ein Hinweis auf ein diskretes Remodelling, d. h. einen strukturellen Umbau mit späterer Fibrose (Abb. [2]) [12] [13]. Unklar ist, ob diese Veränderungen nicht schon von Geburt an, vor der eigentlichen Symptomatik, vorhanden sein können.

Abb. 2 Verdickung der Basalmembran (BM) in der Bronchialschleimhaut eines asthmatischen Schulkindes.

Literatur

Priv.-Doz. Dr. med. Susanne Lau

Charité Campus Virchow
Klinik für Pädiatrie mit Schwerpunkt Pneumologie und Immunologie

Augustenburger Platz 1
13353 Berlin

Email: susanne.lau@charite.de