Gastroenterologie up2date 2008; 4(1): 51-69
DOI: 10.1055/s-2007-995612
Endoskopie/Gastrointestinale Radiologie/Sonographie

© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Diagnostik und Therapie gastrointestinaler Stromatumoren

Thomas  Armbrust, Giuliano  Ramadori
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Publication Date:
07 March 2008 (online)

Kernaussagen

Epidemiologie und Pathophysiologie

  • Gastrointestinale Stromatumoren sind die häufigsten mesenchymalen Tumoren des Gastrointestinaltraktes, mit einer Inzidenz von 6 - 14/1 000 000/Jahr jedoch insgesamt selten.

  • GIST entwickeln sich aus Cajal-Zellen (bzw. deren Vorläuferzellen) durch „Gain-of-Function”-Mutationen der Rezeptor-Tyrosinkinasen kit (CD117) (in 80 - 85 %) oder PDGF-RA (in 5 - 8 %). In etwa 5 % der Tumoren lassen sich keine Mutationen in den beiden Rezeptor-Tyrosinkinasen nachweisen.

  • Die Dignität eines GIST lässt sich mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit anhand der Tumorgröße und der Mitoserate angeben. Tumoren > 10 cm oder mit mehr als 10 Mitosen pro 50 HPF sind mit hoher Wahrscheinlichkeit maligne, Tumoren < 2 cm nur mit sehr geringer Wahrscheinlichkeit.

Klinik und Diagnostik

  • GIST des Magens werden am ehesten durch eine akute oder chronische Blutungssymptomatik auffällig, GIST des Dünndarms und v. a. des Rektums häufig durch Obstruktionssymptome. Ein großer Teil der GIST wird als Zufallsbefund entdeckt.

  • Die Endosonografie besitzt den höchsten Stellenwert unter den bildgebenden Verfahren in der Diagnostik der GIST. Sie ermöglicht die Schichtzuordnung und die Beurteilung des Tumors anhand der Echogenität. Da aufgrund der submukösen Lage der Tumoren eine endoskopische Zangenbiopsie meist ungeeignet ist, wird in der Regel eine endosonografische Feinnadelpunktion oder Biopsie mit Truecut-Nadel durchgeführt.

  • Die Abdomensonografie, insbesondere mit Kontrastmittel, und die FDG-PET sind wertvolle Methoden zur Verlaufsbeobachtung von Metastasen unter Therapie. Mittels FDG-PET kann eine Therapieresistenz gegenüber Imatinib frühzeitig detektiert werden.

Therapie

  • Die primäre Therapie des nichtmetastasierten GIST ist die chirurgische Entfernung des Tumors, die häufig mit minimal-invasiven Techniken möglich ist.

  • Therapie des metastasierten GIST erfolgt mit Imatinib, einem spezifischen Hemmer der Tyrosinkinasen kit und PDGF-RA. Für Imatinib-resistente GIST steht Sunitinib, ein weiteres „small molecule”, das kit und PDGF-RA inhibiert zur Verfügung.

  • Die Therapie mit Tyrosinkinase-Inhibitoren ist eine Dauertherapie. Therapiepausen oder eine Beendigung der Therapie haben regelhaft einen Tumorprogress zur Folge.

Literatur

PD Dr. med. Thomas Armbrust

Universitätsmedizin Göttingen

Abteilung Gastroenterologie und Endokrinologie

Robert-Koch-Straße 40

37075 Göttingen

Email: tarmbru@gwdg.de

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