Fortschr Neurol Psychiatr 1999; 67(5): 189-199
DOI: 10.1055/s-2007-993996
ORIGINALARBEIT

© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Sexualdelikte mit Todesfolge

Eine Erhebung aus GutachtenSexual HomicideA Data Collection from Psychiatric RecordsP.  Briken , Evangelia  Nika , W.  Berner
  • Abteilung für Sexualforschung der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie Hamburg-Eppendorf
Weitere Informationen

Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
08. Januar 2008 (online)

Abstract

After an analysis of the concerning literature we conceptualized a questionnaire with 124 items, which describes the most common characteristics of sexual murderers. The relevance of these characteristics was examinated on the basis of psychiatric records. The hypothesis was, that persons who murdered more than once show these characteristics more evidently than single murderers. We compared 20 psychiatric records about single sexual murderers with those about 10 repetitive sexual murderers. Planned offenses, chronic isolation, narcism and tendency to perversity were found more often in persons hat murdered more than once. Especially the psychosocial factors were found less often than in the angloamerican literature. More pronounced were the differences between a group of sadistic murderers compared with nonsadistic murderers, using criteria for sadism extracted from Kafft-Ebings first description 1892), Schorsch and Becker (1977), MacCulloch et al. (1983) and Ressler et al. (1988). A case example illustrates the importance of an elaborated concept of sadism and its relation to personality disorder.

Zusammenfassung

Nach kritischer Sichtung der Literatur wurde ein Erhebungsbogen mit 124 Items konzipiert, der die häufigsten Merkmale von Sexualmördern beschreibt. Die Relevanz dieser Merkmale wurde anhand von Gutachten überprüft. Ausgehend von der Hypothese, daß Mehrfachtäter die benannten Merkmale deutlicher zeigen, wurden mit dem Instrument 20 Gutachten von Einfachtätern denen von 10 Mehrfachtätern gegenübergestellt. Planung des Delikts, lebenslange Isolierung und Vereinzelung, Narzißmus und Neigung zu Perversionen ließen sich bei Mehrfachtätern häufiger finden. Verglichen mit den Ergebnissen aus dem angloamerikanischen Sprachraum ließen sich die dort zitierten psychosozialen Faktoren nur selten erheben. Deutlichere Unterschiede als zwischen Einfach- und Mehrfachtätern fanden sich zwischen sadistischen und nicht sadistischen Tätern. Zur Operationalisierung des Sadismus bedienten wir uns Einschlußkriterien, die auf Krafft-Ebings Erstbeschreibung (1892), Schorsch und Becker (1977), MacCulloch et äl. (1983) sowie Ressler et al. (1988) zurückgehen. Ein Fallbeispiel verdeutlicht die Wichtigkeit eines elaborierten Konzeptes /on Sadismus und dessen Zusammenhangs mit Persönlichkeitsstörungen.