Diabetes aktuell 2007; 5(5): 224
DOI: 10.1055/s-2007-993266
Blickpunkt

© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Glitazon ist nicht gleich Glitazon - Hohe kardiovaskuläre Sicherheit unter Pioglitazon

Further Information

Publication History

Publication Date:
31 October 2007 (online)

 

Glitazon ist nicht gleich Glitazon. Jede Substanz dieser Wirkstoffklasse hat ihren eigenen molekularen "Fingerprint". Das erklärt auch die unterschiedliche Wirkung auf das kardiovaskuläre Risiko. Denn, so erläuterte Prof. Dr. Diethelm Tschöpe, Bad Oeynhausen: Glitazone führen durch Reaktion mit PPAR-gamma zu einer Induktion oder Repression von Genen. Pioglitazon und Rosiglitazon regulieren nur zum Teil die gleichen Gene. Andere Gene werden dagegen nur von einem der beiden Glitazone beeinflusst. Da diese Wirkstoffklasse nicht nur den Blutzuckermetabolismus, sondern auch andere Stoffwechselprozesse beeinflusst - auch Endothelzellen sind PPAR-gamma-empfindlich - ergeben sich unterschiedliche Effekte, möglicherweise auch auf die Gefäßfunktion. So erklärt sich, dass Pioglitazon und Rosiglitazon zwar den Blutzucker gleichermaßen wirksam kontrollieren, aber unterschiedliche Effekte auf das kardiovaskuläre Risiko der diabetischen Hochrisikopatienten haben. Während die Meta-Analyse von Nissen [1] für Rosiglitazon eine deutliche Erhöhung des Herzinfarktrisikos zeigte, belegt die prospektive PROactive-Studie (prospective pioglitazone trial in macrovascular events) für Pioglitazon eine hohe kardiovaskuläre Sicherheit mit einer Reduktion von Mortalität, Herzinfarkt und Schlaganfall. Unter einer Add-on-Therapie mit Pioglitazon zusätzlich zu einer leitliniengerechten Sekundärprävention diabetischer Hochrisikopatienten lag der kardiovaskuläre Endpunkt aus Tod, Myokardinfarkt und Apoplex signifikant niedriger als unter Placebo. Die Reinfarktrate bei Postinfarktpatienten wurde um ein Drittel gesenkt, bei Schlaganfallpatienten reduzierte sich das Re-Apoplexrisiko auf etwa die Hälfte. Eine aktuelle Post-Hoc-Analyse zeigte nun, dass niereninsuffiziente Typ-2-Diabetiker, die ein besonders hohes kardiovaskuläres Risiko haben, besonders von Pioglitazon profitieren.

Die unterschiedliche Wirkung auf das kardiovaskuläre Risiko wird zumindest teilweise durch die verschiedenen Effekte auf die diabetische Dyslipidämie erklärt, die nur von Pioglitazon günstig beeinflusst wird. Direkte Vergleichsstudien sowohl zwischen den Monotherapien als auch in Kombination der Insulinsensitizer mit Metformin zeigten, dass unter Pioglitazon die Triglyzeridwerte abfallen, während sie unter Rosiglitazon ansteigen. HDL-Cholesterin wird von Pioglitazon deutlich stärker erhöht.

Eine aktuelle amerikanische retrospektive Kohortenstudie auf der Basis von Daten amerikanischer Versicherungsnehmer kommt aktuell im direkten adjustierten Vergleich zwischen Pioglitazon- und Rosiglitazon-behandelten Patienten zu einem etwa 22%igen Prognosevorteil zugunsten von Pioglitazon.

Beate Fessler

Quelle: Pressekonferenz "Kardiovaskuläre Sicherheit im Fokus: Pioglitazon überzeugt mit validen klinischen Daten", Düsseldorf, 8. August 2007 (Veranstalter: Takeda Pharma GmbH)

  • 01 Nissen  . et al . NEJM. 2007;  356 2457-2471