Gesundheitswesen 2007; 69(11): 635-643
DOI: 10.1055/s-2007-992781
Originalarbeit

© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Modellierung der Produktivitätsausfallkosten als Folge des Rauchens in Deutschland für das Jahr 2005

Modelling of the Costs of Productivity Losses Due to Smoking in Germany for the Year 2005A. Prenzler 1 , T. Mittendorf 1 , J. M. von der Schulenburg 1
  • 1Forschungsstelle für Gesundheitsökonomie und Gesundheitssystemforschung, Leibniz Universität Hannover
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Publication Date:
14 December 2007 (online)

Zusammenfassung

Ziel der Studie: Für das Jahr 2005 sollen die Kosten durch den Produktivitätsausfall infolge des Rauchens in Deutschland geschätzt werden.

Methodik: Auf Basis der aktualisierten relativen Risiken der amerikanischen Krebspräventionsstudie sowie der im Mikrozensus publizierten Raucherprävalenzen der deutschen Bevölkerung wird anhand eines Modells errechnet, wie viel Prozent der Todes-, Erwerbsunfähigkeits- und Arbeitsunfähigkeitsfälle in 2005 auf das Rauchen zurückzuführen waren. Bösartige Neubildungen, Krankheiten des Kreislaufsystems, Atemwegserkrankungen sowie Erkrankungen von Kindern unter einem Jahr werden in dem Modell berücksichtigt. Die Humankapitalmethode wird für die Kalkulation der verlorenen rauchen-attributablen Arbeitsjahre und der Produktivitätsausfallkosten gewählt. Umfangreiche Sensitivitätsanalysen werden durchgeführt, um die Robustheit des Modells zu untersuchen.

Ergebnisse: Unter den Annahmen des Modells, waren in Deutschland im Jahr 2005 107.389 Mortalitätsfälle, 14.112 Erwerbsunfähigkeitsfälle und knapp 1,19 Mio. Arbeitsunfähigkeitsfälle auf das Rauchen zurückzuführen. Daraus resultierten Produktivitätsausfallkosten in Höhe von insgesamt 9,6 Mrd. Euro.

Schlussfolgerung: Die Berechnungen zeigen, dass Rauchen einen großen finanziellen Einfluss auf die deutsche Volkswirtschaft hat. Weitere Analysen sind jedoch erforderlich, um die Gesamtfolgen des Tabakkonsums besser abschätzen zu können, vor allem unter zusätzlicher Berücksichtigung der direkten Kosten, die im Gesundheitswesen entstehen.

Abstract

Purpose: The aim of this study was to estimate disease-related productivity costs attributable to smoking in the year 2005 in Germany.

Methods: The calculation was based on the updated relative smoking-related disease risk found in the US Cancer Prevention Study II combined with data on smoking prevalence for Germany. With this, smoking-attributable cases resulting in premature mortality, invalidity, and temporal disability to work could be estimated. Neoplasms, diseases of the circulatory and the respiratory systems as well as health problems in children younger than one year were considered in the analysis. The human capital approach was applied to calculate years of potential work loss and productivity costs as a result of smoking. Various sensitivity analyses were conducted to test for robustness of the underlying model.

Results: Based on the assumptions within the model, 107,389 deaths, 14,112 invalidity cases, and 1.19 million cases of temporary disability to work were found to be due to smoking in 2005 in Germany, respectively. As a result, productivity costs of 9.6 billion were caused by smoking.

Conclusions: The model showed that smoking has a high financial effect. Even so, further analyses are necessary to estimate an overall impact of smoking on the German society.

Literatur

Korrespondenzadresse

A. Prenzler

Leibniz Universität Hannover

Forschungsstelle für Gesundheitsökonomie und Gesundheitssystemforschung

Königsworther Platz 1

30167 Hannover

Email: ap@ivbl.uni-hannover.de