Hintergrund: Die lymphozytäre Kolitis zählt zu den chronisch-entzündlichen Darmerkrankung mit
dem Leitsymptom chronische wässrige Diarrhö. Daten zu klinischen Charakteristika größerer
Patientenkollektive mit lymphozytärer Kolitis sind bisher nur unzureichend vorhanden
und in der Regel retrospektiv erhoben worden.
Ziel: Wir untersuchten prospektiv klinische Parameter, Ansprechen auf medikamentöse Therapien
und den klinischen Verlauf eines großen Patientenkollektives mit lymphozytärer Kolitis.
Methoden und Patienten: Bei Patienten mit histologisch nachgewiesener lymphozytärer Kolitis wurden prospektiv
anhand standardisierter Fragebögen folgende Parameter erfasst: Symptombeginn und Zeitpunkt
der Diagnosestellung, Krankheitsdauer, Stuhlfrequenz und -konsistenz, andere gastrointestinale
Symptome einschließlich Alarmsymptome, Medikamenten-anamnese und Begleiterkrankungen.
Ergebnisse: Insgesamt 207 Patienten (Frauen 76%, mittleres Alter 61 Jahre, Spanne 22–89 Jahre)
waren für die Analyse auswertbar. Die Dauer der Symptomatik betrug vor Diagnosestellung
durchschnittlich 23 Monate (Spanne 2 Wochen bis 45 Jahre). Die mittlere Stuhlfrequenz
lag bei 6 pro Tag (Spanne 1 bis 20). 55 Patienten (26,5%) gaben begleitende abdominelle
Schmerzen an, 100 Patienten (48%) einen Gewichtsverlust (im Mittel 6kg), 126 Patienten
(60,8%) nächtliche Stuhlgänge. Begleitende Autoimmunerkrankungen (Diabetes, Schilddrüsenfunktionsstörungen,
rheumatoide Arthritis) wurden von 82 Patienten (39,6%) angegeben. Eine anhaltende
klinische Remission wurde von 80 Patienten (38;6%) berichtet, davon erhielten 35 Patienten
Medikamente (Kortikosteroide, Antibiotika, Wismutsalicylat). Bei 125 Patienten (66,5%)
war eine empirische Therapie nicht erfolgreich. Bei 6 Patienten (2,9%) konnte ein
Übergang von der lymphozytären in die kollagene Kolitis beobachtet werden, bei einem
Patienten von der kollagenen zur lymphozytären Kolitis.
Diskussion: Die lymphozytäre Kolitis ist häufig mit abdominellen Schmerzen, nächtlichen Stuhlgängen,
Gewichtsverlust und begleitenden Autoimmunerkrankungen assoziiert. Die Ansprechraten
unter einer empirischen Therapie sind schlecht. Randomisierte, kontrollierte Studien
sind notwendig, um effektive Therapieoptionen für Patienten mit lymphozytärer Kolitis
zu evaluieren.