Psychiatr. Psychother. Up2date 2008; 2(6): 389-404
DOI: 10.1055/s-2007-986388
Psychische Störungen bei körperlichen Faktoren

© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Sexuelle Funktionsstörungen bei Frauen und Männern – Klassifikation, Ätiologie und therapeutische Optionen

Cindy  Günzler, Anja  Harms, Michael  M.  Berner
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Publication Date:
26 March 2008 (eFirst)

Kernaussagen

  • Jede sexuelle Störung wird (in unterschiedlichem Maß) durch biologische, psychische und soziale Faktoren bestimmt, die bei der Diagnostik berücksichtigt werden müssen. Die Differenzierung zwischen sexuellen Problemen, die Bestandteil einer Paarentwicklung sein können und sexuellen Funktionsstörungen im eigentlichen Sinne ist wichtig.

  • Störungen der Sexualität können die Vorgänge der Lust, Erregung und den Orgasmus betreffen. Während bei Männern häufig isolierte sexuelle Funktionsstörungen auftreten, finden sich bei Frauen häufiger komplexere Interaktionen und Komorbiditäten der einzelnen Störungsbilder.

  • Bedeutsame Risikofaktoren sind Alter und Nikotinkonsum sowie das Vorliegen kardiovaskulärer und endokrinologischer Erkrankungen. Weiterhin können körperliche Veränderungen der (Peri-)Menopause zu entsprechenden sexuellen Störungen führen. Bestimmte Pharmaka (z. B. Antidepressiva und Neuroleptika) sind ebenfalls bedeutsam. Sexuelle Störungen können durch partnerschaftliche Konflikte, ebenso wie durch psychiatrische Komorbiditäten ausgelöst und aufrechterhalten werden. Besonders relevant ist in diesem Zusammenhang der Selbstverstärkungsmechanismus der Versagensangst. Persönlichkeitsdispositionen fungieren als vermittelnde Instanz und entscheiden meist darüber, ob eine Person aufgrund eines sexuellen Versagens eine sexuelle Störung entwickelt.

  • An Behandlungsoptionen stehen pharmakologische Therapien (v. a. PDE-V-Inhibitoren bei Erektionsstörungen des Mannes, Testosteronsubstitution bei hysterektomierten Frauen) sowie das im Wesentlichen auf Masters und Johnson zurückgehende sexualtherapeutische Instrumentarium zur Verfügung.

Literatur

Dr. Michael M. Berner

Universitätsklinikum Freiburg
Abt. Psychiatrie und Psychotherapie

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