Geburtshilfe Frauenheilkd 2007; 67 - P_101
DOI: 10.1055/s-2007-983598

Endoanalsonographie post partum bei Dammrissen 3./4. Grades

M Schmidt 1, K Pohl 1, V Nobis 1, V Drinovac 1, K Jundt 1, F Kainer 1
  • 1Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe- Klinikum der Universität Innenstadt, München

1. Fragestellung:

Schwere Geburtstraumen mit Dammrissen 3./4. Grades sind heutzutage selten geworden. Es ist jedoch bekannt, dass Stuhl- oder Windinkontinenzsymptome nach solchen Geburtsverletzungen vor allem als Spätfolge auftreten können.

In unserer Untersuchung wurden Patientinnen mit Dammriss 3./4. Grades 6–12 Wochen postpartal gynäkologisch und endoanalsonographisch untersucht, um eine Aussage über den Zusammenhang postpartaler Sphinkterdefekte und der akuten Beschwerdesymptomatik treffen zu können.

2. Methodik:

Aus dem Geburtenkollektiv der I. UFK der LMU München wurden zwischen 2003 und 2006 30 Patientinnen mit Dammriss 3. und 4. Grades 6–12 Wochen post partum in unserer urogynäkologischen Sprechstunde vorgestellt. Es wurden eine Geburtenanamnese, Beschwerden postpartal, eine ausführliche gynäkologische Untersuchung mit Beurteilung des Oxford-Score (0–5) sowie eine Endoanalsonographie zur Beurteilung des M. sphincter ani externus und internus durchgeführt.

3. Ergebnisse:

Von den 30 untersuchten Frauen berichteten 14 Patientinnen über eine erstmalig aufgetretene Stuhlinkontinenz (42%), bei 9 Frauen (27%) trat eine Windinkontinenz postpartal auf. Einzelne oder kombinierte Defekte des M. sphincter ani externus und internus konnten bei insgesamt 18 (54%) Patientinnen endoanalsonographisch nachgewiesen werden. Bei einem Defekt des äußeren Sphinkters gaben die Frauen signifikant häufiger eine anale Inkontinenz an als bei einem einzelnen Defekt des inneren Sphinkters (19 vs.11, p<0,05). In unserem Kollektiv lag die mittlere Levatorkontraktionskraft bei einem Oxford-Score von 1,8.

4. Schlussfolgerung:

Ein in der Endoanalsonographie postpartal nachgewiesener Defekt des M. sphincter ani externus korreliert signifikant häufiger mit einer neu aufgetretenen Stuhl- oder Windinkontinenz als ein singulärer Defekt des inneren Sphinkters. Je größer die Ausdehnung des Defektes, desto ausgeprägter ist das klinische Erscheinungsbild. Die Versorgung dieser Geburtsverletzungen sollte also vorrangig durch erfahrene Geburtshelfer erfolgen, um eine Inkontinenzproblematik post partum zu vermeiden.