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DOI: 10.1055/s-2007-983569
Antikörperbasierte, durchflusszytometrische Evaluierug der Feto-Maternalen Transfusion
1. Fragestellung:
Die feto-maternale Transfusion (FMT) ist ein seltenes aber potenziell für den Feten lebensbedrohliches Ereignis in der Geburtsmedizin. Der klassische Nachweis wird über den sog. Kleihauer-Bethke Test geführt. Fetale Erythrozyten definieren sich dabei durch ihre Säureresistenz im Bezug auf ihre Färbeintesität in einer May-Grünwald-Giemsa Färbung (1). Er ist ein preiswerter und in erfahrenen Händen sehr valider Test. Aufgrund seiner Arbeitsaufwändigkeit und der Notwendigkeit bei jedem Test Qualitätskontrollen mitzuführen, ist er in den meisten hämatologischen Labors verlassen worden. Es existieren jedoch neuere durchflusszytometrische Nachweisverfahren, die eine spezifische Differenzierung zwischen fetalem und maternalem Hämoglobin erlauben, weniger arbeitsintensiv sind und eine deutlich geringere Untersucherabhängigkeit aufweisen (2, 3).
2. Methodik:
Durch eine Doppelfärbung der Erythrozyten mit monoklonalen Antikörpern gegen Carboanhydrase (nur in adulten Zellen vorhanden) und HbF (überwigend in fetalen Zellen vorhanden) gelingt eine spezifische Trennung zwischen mütterlichen und fetalen Zellen.
3. Ergebnisse:
Wir etablierten das kommerziell erhältliche Fetal Cell Count Kit II (IQ-Products, Groningen, NL) in der klinischen Routine. In Vorversuchen war damit eine Detektionsrate von bis zu 0,01% gespikten Nabelschnurzellen in adultem Blut möglich. Bemerkenswert war hierbei die Tatsache, dass in allen von uns analysierten Blutproben eine signifikante Zahl Carboanhydrase positiver Zellen ebenfalls HbF positiv waren und somit im Kleihauer-Bethke Test als fetal eingestuft wurden. Wir setzen aktuell die Evaluierung der FMT als Qualitätsmarker im Rahmen der Äußeren Wendung sowie, bei Fällen unklarer fetaler Kompromittierung ein.
4. Schlussfolgerung:
Der Nachweis einer FMT ist auch ohne die arbeitsaufwändige und untersucherabhängige Durchführung eines Kleihauer-Bethke Tests antikörperbasiert, durchflusszytometrisch möglich. Die Evaluation einer FMT kann sowohl zur Qualitätssicherung im Rahmen der äußeren Wendung als auch zur Klärung pathophysiologischer Zusammenhänge im Rahmen von Studien benutzt werden.
Literatur:
1. Kleihauer, E., H. Braun, and K. Bethke. 1957. Demonstration von fetalem Hämoglobin in den Erythrocyten eines Blutausstrichs. Klinische Wochenschrift 35:637.
2. Leers, M. P., H. M. Pelikan, T. H. Salemans, P. C. Giordano, and V. Scharnhorst. 2006. Discriminating fetomaternal hemorrhage from maternal HbF-containing erythrocytes by dual-parameter flow cytometry. Eur J Obstet Gynecol Reprod Biol.
3. Kush, M. L., M. V. Muench, C. R. Harman, and A. A. Baschat. 2005. Persistent fetal hemoglobin in maternal circulation complicating the diagnosis of fetomaternal hemorrhage. Obstet Gynecol 105:872.