Gesundheitswesen 2007; 69 - V9
DOI: 10.1055/s-2007-982792

Alters- und geschlechtsspezifische Mortalität im Ruhrgebiet 1994 bis 2004

A Klapper 1, D Bardehle 1, O Razum 1
  • 1Universität Bielefeld, AG 3: Epidemiologie & International Public Health, Bielefeld

Hintergrund: Das Ruhrgebiet lässt sich als großstädtischer Raum „Ruhr-City“ mit Ballungskern und Randzone betrachten. Ein Pilotbericht zur gesundheitlichen Lage hat aufgezeigt, dass dort die Lebenserwartung deutlich unter dem NRW-Durchschnitt liegt.

Ziel: Identifizierung auffälliger Werte bei der alters- und geschlechtsspezifischen Sterblichkeit als Grundlage für weitere Untersuchungen.

Methoden: Räumliche Analyse von Daten aus der Todesursachenstatistik (nach Geschlecht und 5-Jahres-Altersgruppen ab 30 bis 85+).

Ergebnisse: Die Sterblichkeit (Mittelwerte 1994–2004) lag in Ruhr-City in den Altersgruppen bis 74 Jahre um mindestens 5 %, in den Altersgruppen zwischen 35 und 49 Jahren um mindestens 10 % über dem NRW-Niveau. Die Sterblichkeit ist in den Jahren 1994 bis 2004 in fast allen Altersgruppen zurückgegangen. Die Sterberaten in Ruhr-City wurden vor allem durch die Sterberaten im Ballungskern verursacht, dort lag die Sterblichkeit in den Altersgruppen bis 69 Jahre (Frauen) bzw. 74 Jahre (Männer) um 10 % oder teilweise deutlich mehr über dem NRW-Durchschnitt. Extremwerte weist hier die Altersgruppe der 40–44-jährigen mit 20,7 % (Frauen) und 26,9 % (Männer) auf.

Bei der altersspezifischen Sterblichkeit fallen besonders die Altersgruppen zwischen 35 und 54 Jahren auf, bei denen die mittlere Abweichung vom NRW-Durchschnitt zwischen 9 % und 15 % lag. Die Übersterblichkeit der Männer war in Ruhr-City größer als in NRW, wobei der Ballungskern Ruhr-City insgesamt noch übertraf.

Beim exemplarischen Vergleich der Städte Gelsenkirchen und Bonn weist Gelsenkirchen weit über dem NRW-Durchschnitt liegende Sterberaten auf, während in Bonn die Sterberaten der Männer deutlich unter dem NRW-Durchschnitt liegen.

Ohne den Einfluss von Ruhr-City wäre in NRW eine Senkung der Sterblichkeit um bis zu 6,5 % möglich.

Diskussion: Die teilweise alarmierenden Ergebnisse, die durch die Literatur bestätigt werden, zeigen Handlungsbedarf auf. Der Ballungskern konnte als Problemschwerpunkt identifiziert werden. Als weiteres Vorgehen bieten sich detaillierte räumliche oder todesursachenspezifische Analysen an. Ein Zusammenhang zwischen Sterblichkeitsgeschehen und sozialer Lage ist wahrscheinlich.