Suchttherapie 2007; 8(2): 74-81
DOI: 10.1055/s-2007-981662
Originalarbeit

© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Deutsche Version des Children of Alcoholics Screening Test (CAST) - Befunde bei Patientinnen mit Magersucht und Bulimie

German Version of the Children of Alcoholics Test (CAST) - Results among Patients with Anorexia or Bulimia NervosaN. Baltruschat 1 , E. Geissner 2 , 3 , M. Klein 4
  • 1Zentrum für Verhaltenstherapeutische Medizin, Klinikum Staffelstein
  • 2Medizinisch-Psychosomatische Klinik Roseneck
  • 3Ludwig-Maximilians-Universität München
  • 4Katholische Fachhochschule Köln
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Publication History

Publication Date:
02 July 2007 (online)

Zusammenfassung

Theoretischer Hintergrund: In dieser Studie wurde die familiäre und emotionale Belastung von Kindern aus alkoholbelasteten Familien mittels eines Fragebogens untersucht. Der Fragebogen erfasst spezifische alkoholbedingte Belastungen von Kindern, die mit alkoholerkrankten Eltern leben oder gelebt haben (Children of Alcoholics Screening Test CAST) [1]. Der CAST besteht aus 30 dichotomen Fragen zu Gefühlen, Meinungen und Verhaltensweisen der Kinder hinsichtlich des elterlichen Alkoholkonsums, die mit „Ja” oder „Nein” beantwortet werden können. Bisherige Analysen fanden eine einfaktorielle Struktur [1].

Fragestellung: Wir analysierten bei einer Stichprobe von 100 Patientinnen mit und ohne familiäre Alkoholbelastung die dimensionale Struktur für den deutschen Sprachraum. Wir führten hierfür Skalenanalysen durch und überprüften den Fragebogen auf charakteristische Gruppenunterschiede bzw. Merkmalszusammenhänge.

Methode: Untersucht wurden Patientinnen mit einer Essstörung, die sich zur stationären psychotherapeutischen Behandlung in klinischen Einrichtungen befanden. Die Stichprobe bestand aus 100 essgestörten Frauen, die mit Hilfe von klinischen Interviews und dem Children of Alcoholics Screening Test (CAST) befragt wurden. Eine Teilstichprobe von 50 essgestörten Frauen bearbeitete zusätzlich das Freiburger Persönlichkeits-Inventar-R (FPI-R) und die Symptom-Checklist-90-Revised (SCL-90-R).

Ergebnisse: Die Faktorenanalyse legt eine zweifaktorielle Lösung mit einem intrapsychischen (7 Items) und einem interaktionellen Belastungsfaktor (9 Items) nahe. Skalenanalysen belegen die gute innere Konsistenz für beide Skalen. Die Trennschärfen der Items liegen für Skala 1 „Intrapsychische Belastungen” im Mittel bei r it =.73 (zwischen r it=.60 und r it=.80) und für Skala 2 „Interaktionelle Belastungen” bei r it =.62 (zwischen r it=.53 und r it=.69). Korrelationsanalysen ergaben im Mittel niedrige Korrelationen zwischen den CAST-Skalen 1 und 2 und der SCL-90-R (Ausnahme Skala „Misstrauischer Denkstil”) und dem FPI-R (Ausnahme Skala „Extraversion”).

Schlussfolgerung: Die Ergebnisse belegen, dass sich der CAST gut eignet, die Belastung von Töchtern durch die Alkoholproblematik ihrer Eltern zu erkennen. Die Binnengliederung (zwei Faktoren) ist ein lohnenswerter Ansatz für differenziertere Analysen dieser Belastung.

Abstract

Background: In the study described above the familial and emotional strain of children where alcohol abuse is present in the family is analysed by means of a questionnaire. CAST (Children of Alcoholics Screening Test) [1] is an instrument used for children by which the specific strains derived from having or living with alcohol addicted parents are recorded. The CAST consists of 30 dichotomous questions concerning feeling, opinions and behaviour patterns of children with regards parental alcohol consumptions that can be answered with “yes” or “no”. Previous analyses found a one factor structure [1].

Aims: A random sample of 100 German female patients both with and without a familial history of alcohol abuse were analysed. Scale analyses were made, with emphasis on characteristic group differences or feature contexts.

Method: 100 female patients were selected from within a cohort of patients receiving in-hospital psychotherapeutic treatment for eating disorders. They were questioned by means of clinical interviews and the Children of Alcoholics Screening Test (CAST). 50 female patients of this sample were also analysed by questionnaires for personality (Freiburger Personality-Inventory R; FPI-R) and general psychopathology (Symptom-Checklist-90-Revised; SCL-90-R).

Results: The results of the factor analysis suggest a two factor solution: an “intrapsychological” (with 7 items) and an “interactional” strain (with 9 items). Scale analyses prove inner consistency for both scales. The average selectivity of the items is for scale 1 “intrapsychological strain” rit=.73 (from rit=.60 to rit=.80) and for scale 2 “interactional strain” rit=.62 (from rit=.53 to rit=.69). Context analyses resulted in a low average context between the CAST scales 1 and 2 and the SCL-90-R (scale “psychoticism”) and the FPI-R (scale “extraversion”).

Conclusions: The results are highly suggestive that CAST is suitable for use of identification of strains of daughters derived from parental alcohol abuse. The internal structure (two factors) is a worthy approach for differentiated analyses of the strain of children of alcoholics.

Literatur

Anhang 1

Children of Alcoholics Screening Test - (CAST) - Deutsche Übersetzung (M. Klein).

Nr.

CAST-Item

1

Ist dir schon einmal der Gedanke gekommen, dass dein Vater oder deine Mutter alkoholabhängig sein könnte? (Kriteriumsfrage)

2

Konntest du schon einmal nicht schlafen, weil dein Vater oder deine Mutter getrunken hatte?

3

Hast du deinen Vater oder deine Mutter schon einmal aufgefordert, mit dem Trinken aufzuhören?

4

Hast du dich schon einmal allein gelassen gefühlt oder bist du ängstlich, nervös, wütend oder frustriert gewesen, weil dein Vater oder deine Mutter nicht aufhörte zu trinken?

5

Hast du dich schon einmal mit deinem Vater oder deiner Mutter gestritten oder gezankt, wenn er oder sie getrunken hatte?

6

Hast du deinen Eltern schon einmal gedroht, von Zuhause fortzulaufen, weil dein Vater oder deine Mutter getrunken hatte?

7

Bist du oder jemand anders aus deiner Familie schon einmal von deinem Vater oder deiner Mutter geschlagen worden, als er oder sie getrunken hatte?

8

Hast du schon einmal gehört, dass sich dein Vater oder deine Mutter stritten, wenn einer von ihnen betrunken war?

9

Hast du schon einmal ein Familienmitglied vor deinem Vater oder deiner Mutter beschützt, wenn er oder sie getrunken hatte?

10

Wolltest du schon einmal eine Schnapsflasche deines Vaters oder deiner Mutter verstecken oder ausgießen?

11

Machst du dir viele Gedanken über das Trinken deiner Mutter bzw. deines Vaters oder Schwierigkeiten, die dadurch entstehen?

12

Hast du dir schon einmal gewünscht, dass dein Vater oder deine Mutter aufhört zu trinken?

13

Hast du schon einmal gedacht, du seiest verantwortlich für oder schuld an dem Trinken deines Vaters oder deiner Mutter?

14

Hast du schon einmal Angst gehabt, dass sich deine Eltern scheiden lassen, weil einer von ihnen trinkt?

15

Hast du schon einmal eine Veranstaltung oder eine Verabredung mit Freunden abgesagt oder im vornherein darauf verzichtet, weil du Angst hattest, es könnte zu peinlichen und beschämenden Situationen kommen, wenn dein Vater oder deine Mutter sich betrinkt?

16

Hast du schon einmal das Gefühl gehabt, du seiest der Grund für einen Streit zwischen Eltern (von denen einer zuviel trinkt)?

17

Hast du schon einmal geglaubt, dass dein Vater oder deine Mutter wegen dir trinkt?

18

Hast du schon einmal gedacht, dass dich dein alkoholabhängiger Vater bzw. deine alkoholabhängige Mutter nicht liebt?

19

Hast du dich schon einmal darüber geärgert, dass dein Vater oder deine Mutter trinkt?

20

Hast du dir schon einmal Sorgen darüber gemacht, dass die Gesundheit deines Vaters oder deiner Mutter darunter leiden könnte, dass er oder sie trinkt?

21

Hat man dir schon einmal die Schuld daran gegeben, dass dein Vater oder deine Mutter trinkt?

22

Hast du schon einmal daran gedacht, dass dein Vater Alkoholiker sein könnte?

23

Hast du dir schon einmal gewünscht, dass es bei dir zu Hause so wäre wie bei deinen Freunden, deren Eltern nicht trinken?

24

Hat dein Vater oder deine Mutter dir schon einmal etwas versprochen und dann nicht gehalten, weil er oder sie getrunken hatte?

25

Hast du schon einmal daran gedacht, dass deine Mutter Alkoholikerin sein könnte?

26

Hast du dir schon einmal gewünscht, es gäbe jemanden, mit dem du reden könntest und der die vom Alkohol verursachten Probleme in deiner Familie verstehen und aus der Welt schaffen könnte?

27

Hast du dich schon einmal mit deinem Bruder oder deiner Schwester über das Trinken deines Vaters oder deiner Mutter gestritten?

28

Bist du schon einmal nicht nach Hause gegangen, um einen trinkenden Elternteil nicht sehen oder miterleben zu müssen, wie der andere Elternteil darauf reagiert?

29

Ist dir schon einmal schlecht gewesen oder hast du geweint oder das Gefühl gehabt, dir läge ein Stein im Magen, wenn du dir Sorgen über das Trinken deines Vaters oder deiner Mutter gemacht hast?

30

Hast du schon einmal Hausarbeit oder andere Pflichten in der Familie übernommen, die für gewöhnlich Aufgaben deines Vaters oder deiner Mutter waren als er bzw. sie noch nicht so viel getrunken hat?

Korrespondenzadresse

N. Baltruschat

Zentrum für Verhaltenstherapeutische Medizin

Klinikum Staffelstein

Am Kurpark 11

96231 Bad Staffelstein

Email: NBaltruschat@gmx.de