Frauenheilkunde up2date 2007; 1(3): 247-267
DOI: 10.1055/s-2007-981172
Geburtshilfe und Perinatalmedizin

© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Erstversorgung und Reanimation von Neugeborenen[*]

G. Hansmann1 , C. Bührer1 , M. Dzietko1 , T. Höhn1
  • 1University of California San Francisco, Department of Pediatrics, M 691
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Publication Date:
03 July 2007 (online)

Kernaussagen

  • Die ILCOR-Autoren haben im üblichen 5-jährigen Abstand die dankenswerte Aufgabe übernommen, die aktuellen Reanimations-Richtlinien an die veränderte Datenlage anzupassen. Leider sind die Entscheidungswege, auf denen die Verfügbarkeit einer einzigen randomisierten Studie im einen Fall ausreicht, um bestehende Richtlinien zu ändern und im anderen Fall nicht, wenig bis gar nicht transparent. Als Autoren der vorliegenden Arbeit halten wir die Datenlage zum intranatalen Absaugen von Mekonium durch die Geburtshelfer auf dem Boden einer einzigen Studie für nicht ausreichend, das (stellenweise mühsam etablierte) Vorgehen bei drohender Mekoniumaspiration zu modifizieren und plädieren deshalb derzeit für die weitere Beibehaltung dieser Maßnahme.

  • Die wenig konkreten Ausführungen zur Frage der initialen Sauerstoffkonzentration bei der Reanimation von Neugeborenen kann man als vorsichtiges Annähern an eine Reanimation mit Raumluft verstehen (hier schien die Konsensfindung zwischen Amerikanern und Europäern besonders schwierig). Es erscheint sinnvoll, eine Reanimation mit Raumluft zu starten; der wichtigste Aspekt für das Wiederherstellen der Zirkulation ist ohnehin das Ausmaß der Lungenbelüftung. Persistiert im Verlauf trotz guter Lungenbelüftung eine Zyanose, so kann die Sauerstoffkonzentration bedarfsangepasst erhöht werden. Dieses Vorgehen macht das Vorhandensein eines Sauerstoffmischers und einer präduktalen pulsoxymetrischen Überwachung der Sauerstoffsättigung erforderlich. Zudem sollte ein Druckmanometer zum Standardmonitoring im Kreißsaal gehören, um unnötig hohe PIP und Atemhubvolumina zu vermeiden.

  • ILCOR hat den Standard-Algorithmus ([Abb. 1]) zur Neugeborenen-Reanimation weiter vereinfacht: Ab einer Herzfrequenz unter 100 / min erfolgt (bis auf wenige Ausnahmen) eine mindestens 30 s dauernde, effektive Ventilation via Maskenbeatmung oder Endotrachealtubus (FiO2 0,21–1,0). Für den seltenen Fall, dass danach die Herzfrequenz (u. U. weiterhin) unter 60 / min liegt, werden Thoraxkompressionen (präferenziell 2-Daumen-Klammergriff-Technik, [Abb. 3]) im 3 : 1-Rhythmus mit den Beatmungshüben durchgeführt (insgesamt ca. 90 Thoraxkompressionen und 30 Beatmungshübe pro Minute; hinsichtlich Adrenalin- und Volumengaben siehe Haupttext).

  • Trotz vieler ungeklärter Fragen scheint eine innerhalb der ersten 6 Lebensstunden begonnene Kühlung schwer asphyktischer reifer oder fast reifer Neugeborener um 3–4  °C (systemisch oder mit Kühlhaube) ein Erfolg versprechender neuroprotektiver Ansatz mit geringen Nebenwirkungen zu sein, dessen weitere Überprüfung Gegenstand laufender Studien ist.

1 Erstveröffentlichung des Beitrags in der Notfallmedizin up2date; 2007; 2: 21–41

Literatur

1 Erstveröffentlichung des Beitrags in der Notfallmedizin up2date; 2007; 2: 21–41

Dr. G. Hansmann

University of California San Francisco · Department of Pediatrics, M 691

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