Psychiatrie und Psychotherapie up2date 2007; 1(06): 401-412
DOI: 10.1055/s-2007-970959
Abhängigkeitserkrankungen

Substitutionstherapie bei Opiatabhängigkeit

Norbert Scherbaum
Kernaussagen

Die Substitutionsbehandlung ist die am weitesten verbreitete Behandlung Opiatabhängiger.

Das Wirkprinzip der Behandlung besteht in der ärztlichen Verabreichung von Opioiden zur Linderung von Entzugsbeschwerden und von Heroinverlangen.

Die Wirksamkeit der Substitutionsbehandlung im Hinblick auf basale Therapieziele, wie Senkung des Heroinkonsums und Senkung der mit dem Heroinkonsum assoziierten gesundheitlichen Risiken und kriminellen Verhaltensweisen, ist wissenschaftlich gut belegt.

Als Substitute stehen zur Verfügung: Methadon-Razemat, Levomethadon, Buprenorphin sowie Kodein/Dihydrokodein. Für Methadon-Razemat besteht die umfangreichste klinische und wissenschaftliche Erfahrung. Eine generelle Überlegenheit der anderen Substitutionsmittel gegenüber Methadon-Razemat ist nicht belegt.

Die Substitutionsbehandlung Opiatabhängiger unterliegt zahlreichen Vorschriften:

  • Erfordernis der suchtmedizinischen Fachkunde für den Behandler

  • Meldung von Beginn und Ende einer Substitutionsbehandlung an ein Zentralregister

  • Einnahme des Substitutes in der Praxis des Behandlers unter Aufsicht als Regelfall

  • Möglichkeit der Verschreibung einer sogenannten Take-home-Dosis nach Bewertung von Compliance und Beigebrauch weiterer Suchtmittel über einen qualifizierten Zeitraum

  • Notwendigkeit einer psychosozialen Betreuung

Jenseits basaler Ziele bestehen in der Substitution auch weitere Ziele wie die Besserung der körperlichen und psychischen Gesundheit sowie die soziale Rehabilitation.

Durch die Substitution werden Opiatabhängigen weitere therapeutische Maßnahmen, wie z. B. die Kombinationsbehandlung einer Hepatitis C oder eine Psychotherapie bei begleitenden suchtmittelbezogenen Störungen, zugänglich. Die Wirksamkeit solcher Behandlungen ist auch unter den Bedingungen einer Substitution wissenschaftlich belegt.



Publication History

Publication Date:
02 October 2007 (online)

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