Psychother Psych Med 2007; 57 - A107
DOI: 10.1055/s-2007-970726

Stress-Reduktion durch Progressive Muskelrelaxation – Auswirkung auf Speichelcortisol

CS Weber 1, M Rudat 2, R von Seckendorff 2, J Kondschag 2, B Girresch 2, FH Perschel 3, HC Deter 4
  • 1Abt. Psychosomatik und Psychotherapie, Charité Universitätsmedizin Berlin, Campus Benjamin Franklin, Berlin
  • 2Abt. Psychosomatik und Psychotherapie, Charite Universitätsmedizin Berlin, Campus Benjamin Franklin, Berlin
  • 3Institut für Klinische Chemie und Pathobiochemie, Charité Campus Benjamin Franklin, Berlin
  • 4Abt. Psychosomatik und Psychotherapie, Charité Universitätsmedizin Berlin, Campus Benjamin Franklin

Die Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson (PMR) ist ein etabliertes und leicht zu erlernendes Entspannungsverfahren. Ziel ist die Erreichung eines neurovegetativen Entspannungszustandes. Speichelcortisol ist ein noninvasiver Stressmarker, der bei kurzfristiger psychosozialer Belastung ansteigt. Wir überprüften in dieser Teilstudie die Hypothese, ob PMR zu einer kurzfristigen Abnahme von Speichelcortisol führt. Eine weitere Fragestellung war, wie schnell sich ein Entspannungseffekt bei in dem Verfahren ungeübten gesunden Probanden nachweisen lässt.

18 gesunde männliche Probanden, die bisher keine Erfahrung in PMR hatten und kein anderes Entspannungsverfahren praktizierten, nahmen über 6 Wochen an einer von einer Diplompsychologin angeleiteten Entspannungsintervention basierend auf PMR teil (1 x pro Woche plus selbständiges Üben zu Hause). Vor und nach jeder Sitzung wurden bei n=9 (21–42J, Median 26) Speichelcortisol (RIA) und Befindlichkeit (Bf-S, von Zerssen) gemessen. Ein Prä-Post-Vergleich erfolte mittels t-test für gepaarte Stichproben.

Die Speichelcortisolwerte waren in jeder der 6 Sitzungen vor PMR höher als nach PMR. Signifikante Abnahmen zeigten sich bei Sitzung 2 (p=0,027), 3 (p=0,003) und 4 (p=0,011). Bei Sitzung 1, 5 und 6 konnten dagegen keine signifikanten Veränderungen verzeichnet werden (p>0,1). Der höchste absolute Cortisolwert wurde bei Sitzung 1 vor PMR gemessen.

Unsere Pilot-Studie zeigt in Übereinstimmung mit Pawlow & Jones (2005), dass eine psychologische Intervention basierend auf PMR bei gesunden Probanden kurzfristig eine signifikante Abnahme von Speichelcortisol bewirken kann. Dieser Effekt trat hier von der 2. bis zur 4. Sitzung ein, was als biologischer Nachweis der gewünschten Entspannung gewertet werden kann. Korrelationen mit Befindlichkeit werden geprüft. Die bisherigen Ergebnisse gewinnen eine besondere Signifikanz vor dem Hintergrund der kleinen Stichprobe, sollten aber an Patienten und größeren Kollektiven repliziert werden.

Literatur: Pawlow LA, Jones GE (2005). The impact of abbreviated progressive muscle relaxation on salivary cortisol and salivary immunoglobulin A (sIgA). Applied Psychophsiology and Biofeedback Vol 30, No 4, pp 375-87.