Gesundheitswesen 2007; 69(2): 88-97
DOI: 10.1055/s-2007-970148
Originalarbeit

© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Selbstbestimmt aber professionell geleitet? Zur Effektivität und Definition von Selbsthilfegruppen

Self-Determined but with Professional Leadership? On the Effectiveness and Definition of Self-Help GroupsC. Klytta 1 , G. Wilz 1
  • 1Technische Universität Berlin, Institut für Psychologie und Arbeitswissenschaft, Fachbereich für Klinische und Gesundheitspsychologie
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Publication Date:
03 April 2007 (online)

Zusammenfassung

Ziel: Da die Effektivität von Selbsthilfegruppen (SHGs) als nicht erwiesen gilt und themenübergreifende Reviews zu SHGs rar sind, wird mit diesem Artikel ein Überblick über den derzeitigen Forschungsstand gegeben. Außerdem wird möglichen Ursachen für die bislang unklare Datenlage nachgegangen.

Methodik: Mittels umfassender Literaturrecherche wurde ein Review von Studien zu SHGs (und sogenannten support groups) erstellt, die mit Längsschnittdesign und Kontrollgruppen gearbeitet haben. Sieben Studien erfüllten die Kriterien.

Ergebnisse: In vier der sieben Studien konnten positive Effekte gegenüber der Kontrollgruppe belegt werden, in den drei anderen Studien gleichwertige Outcomes verglichen mit denen der Kontrollgruppe.

Schlussfolgerungen: Angesichts der naturalistischen Designs ist dieses Ergebnis ein deutlicher Hinweis auf die Effektivität von SHGs. Als Schwierigkeit der bisherigen Forschung kann v. a. eine ungenügende Berücksichtigung der Heterogenität der Gruppen verantwortlich gemacht werden - insbesondere im Hinblick auf die Differenzierung zwischen SHGs und professionell geleiteten Gruppen. Die Definition schließt zwar professionelle Leitung aus, tatsächlich entspricht professionelle Involvierung in SHGs bis hin zu deren Leitung aber der Regel. Aus dieser Analyse werden Vorschläge für einheitliche Klassifizierungen abgeleitet, um SHGs von professionell geleiteten Gruppen zu trennen, sowie zusätzliche Abstufungen anhand des Ausmaßes professioneller Involvierung vornehmen zu können. Es wird für eine generell stärkere Berücksichtigung organisatorischer Unterschiede in der Forschung zu SHGs plädiert.

Abstract

Purpose: Because the effectiveness of self-help groups (SHGs) has not been proven yet and also since multi-focus reviews on SHGs are rare, the present article offers an overview of the current state of research. Possible reasons for the conflicting results in the literature are also investigated.

Methods: An extensive literature search was done to review studies which used longitudinal design and control groups to measure the effectiveness of SHGs and so-called “support groups”.

Results: Positive effects in comparison to the control groups were proven in four out of seven of the studies. In the remaining three studies the outcomes between the groups were the same.

Conclusion: Considering the naturalistic designs of the studies, these results clearly indicate that SHGs are indeed effective. An insufficient consideration of the heterogeneity of the groups is held responsible for the difficulties associated with previous research on the topic, especially as far as the differentiation between SHGs and professionally led groups is concerned. The definition excludes professional leadership but, in fact, professional involvement in SHGs up to their leadership is the rule. The following suggestions have been derived from this literature analysis: uniform classifications for SHGs and professionally-led support groups should be established in order to make it possible to provide a clear distinction between these types of groups as well as to indicate the extent of professional involvement in them. A plea is made for a generally stronger consideration of organisational differences in the research of SHGs.

Literatur

Korrespondenzadresse

G. Wilz

Technische Universität Berlin

Fakultät V: Verkehrs- und Maschinensysteme

Institut für Psychologie und Arbeitswissenschaft

Fachbereich für Klinische und Gesundheitspsychologie

Franklinstr. 28/29

10587 Berlin

Email: gabriele.wilz@gp.tu-berlin.de