Laryngorhinootologie 2007; 86(12): 879-882
DOI: 10.1055/s-2007-966576
Der interessante Fall

© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Akute einseitige Ertaubung und pathologische Vestibularisbefunde nach Knalltrauma durch Gewehrschüsse

Acute Unilateral Total Deafness and Vestibular Findings after Gunshot NoiseG.  Psillas1 , J.  Constantinidis1 , S.  Triaridis1 , V.  Vital1
  • 1Hals-Nasen-Ohren-Klinik, Kopf- und Halschirurgie der Aristoteles-Universität, Thessaloniki, AHEPA-Hospital (Direktor: Prof. Dr. V. Vital)
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Publication History

submitted 27. Dezember 2006

accepted after revision 3. Mai 2007

Publication Date:
26 June 2007 (online)

Zusammenfassung

Hintergrund: Ein akutes akustisches Trauma (Knalltrauma) während des Wehr- bzw. Militärdienstes wird meistens durch Impulslärm oder Explosionen ausgelöst. Der typische audiometrische Befund besteht in einer C5-Senke bei 4000 Hz. In dieser Kasuistik wird der erste Fall einer akuten einseitigen Ertaubung als Folge einer Exposition gegenüber Gewehrschüssen bei einem jungen Soldaten beschrieben. Kasuistik: Ein 25-jähriger rechtshändiger Wehrpflichtiger erlitt nach einer Serie von fünf Schüssen mit einem Gewehr des Typs G3 unmittelbar rechtsseitige Ohrenschmerzen, Tinnitus und eine ausgeprägte Hörminderung; Schwindel oder Gleichgewichtsstörungen lagen zu diesem Zeitpunkt subjektiv nicht vor. Das Tonschwellenaudiogramm zeigte den Befund einer Taubheit auf dem rechten Ohr. Um das Ausmaß der Labyrinthschädigung abzuschätzen, erfolgten eine kalorische Labyrintherregbarkeitsprüfung und die Messung der vestibulär evozierten myogenen Potenziale (VEMPs). Bei beiden Untersuchungen ergaben sich pathologische Befunde. Schlussfolgerung: Die von Schusslärm ausgehenden mechanischen und metabolischen Alterationen an der Kochlea werden diskutiert. Nachdem sich im beschriebenen Fall ein kalorisches Richtungsüberwiegen und ein Ausfall der VEMPs zeigte, ist schlusszufolgern, dass der Sacculus und in einem gewissen Grad auch der hintere Bogengang betroffen waren. Es wird herausgestellt, dass das Tragen von Gehörschutz (Gehörgangstopfen, Kapselgehörschutz) bei Exposition gegenüber hohen Lautstärkepegeln essenziell ist.

Abstract

Background: Acute acoustic trauma is usually acquired during military service after exposure to impulse or blast wave noise. The typical audiometric shape is a notch centered at about 4 kHz with some recovery above this frequency. This is the first case of an immediate induced unilateral total hearing loss in a young soldier following exposure to gunfire noise. Case report: A 25-year-old right-hander army officer during military training, after realizing a series of five shots with a rifle (G3), he immediately experienced on the right ear otalgia, tinnitus and severe hearing loss, without imbalance or dizziness. The pure tone audiogram revealed a cophosis on the right ear without any residual remnants. In order to estimate the extent of the labyrinth damage, a caloric test and vestibular evoked myogenic potentials (VEMPs) were performed, which were both abnormal. Conclusion: The possible mechanical and metabolic damage effects on the cochlea from the intense gunfire noise were discussed. As the caloric test showed directional preponderance and the VEMPs were totally abolished, it has been concluded that the saccule and to a lesser degree the posterior labyrinth have been also found affected. The importance of wearing hearing protectors such as ear plugs and ear muffs during exposure to intense noise was underlined.

Literatur

Prof. Dr. Jannis Constantinidis

HNO-Klinik, Kopf- und Halschirurgie

Aristoteles-Universität Thessaloniki, Klinikum AHEPA
54006 Thessaloniki
Griechenland

Email: [email protected]