Pädiatrie up2date 2007; 2(1): 65-87
DOI: 10.1055/s-2007-966227
Rheumatologie

© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Differenzialdiagnose Hüftschmerz

Frank  Weller, Hans-Iko  Huppertz
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Publication Date:
09 March 2007 (online)

Einleitung

Erkrankungen des kindlichen Hüftgelenks sind häufig und können schwerwiegende Folgen haben. Zu spät erkannte oder zu spät behandelte Pathologien können vorzeitige degenerative Veränderungen mit Konsequenzen für die Berufswahl und/oder Frühinvalidität nach sich ziehen. Das Hüftgelenk als eines der vollständig das Gewicht tragenden Gelenke entzieht sich dabei weitgehend der direkten Inspektion und Palpation, sodass nach der Anamneseerhebung mögliche Pathologien durch eine Untersuchung des Bewegungsumfangs und eine Gangbeobachtung erkannt werden bzw. ein Verdacht auf eine solche Pathologie aufkommen sollte. Das differenzialdiagnostische Spektrum ist umfangreich (Tab. [1]); die wichtigsten Erkrankungen weisen eine typische Altersprädisposition auf (Abb. [1]). Im Vordergrund steht das rasche Erkennen einer septischen Coxarthritis als medizinischen Notfall. Das diagnostische Work-up stellt Abb. [2] im Überblick dar.

Tabelle 1 Differenzialdiagnosen Differenzialdiagnosen des akuten Hüftschmerzes und Humpelns Septische Arthritis Coxitis fugax Osteomyelitis des proximalen Femurs oder des Beckens Juvenile idiopathische Arthritis/juvenile Spondylarthropathie Morbus Perthes Epiphyseolysis capitis femoris Akute lymphatische Leukämie Ewing-Sarkom/Osteosarkom Lyme-Arthritis Chronisch rezidivierende multifokale Osteomyelitis (CRMO) Wachstumsschmerzen Psoas-Abszess Morbus Gaucher Lokales Schmerzverstärkungssyndrom

Abb. 1 Altersprädisposition der wesentlichen Hüfterkrankungen.

Abb. 2 Diagnostisches Work-up der kindlichen Hüfterkrankungen im Überblick.

Hauptsymptome einer Hüftgelenkserkrankung sind der Schmerz und die Funktionsstörung im Sinne einer Bewegungseinschränkung, die ggfs. auch zum humpelnden Gangbild führen kann. Der britische Anatom John Hilton (1804 - 1878) machte darauf aufmerksam, dass „Nerven, die über ein Gelenk hinwegziehen, immer auch ein paar Fasern zu diesem Gelenk abzweigen”, sodass auch Schmerzen im Kniegelenk auf eine Erkrankung im Hüftgelenk hinweisen können (Hilton’s Law). Der Schweizer Kinderorthopäde Fritz Hefti prägte daraus den Merksatz: „Schmerzen am Knie, vergiss die Hüfte nie!” [1]. Hinzu kommt, dass das Kind, je jünger es ist, den Schmerz umso weniger genau lokalisieren kann.

Merke: Schmerzen am Knie, vergiss die Hüfte nie!

Literatur

Prof. Dr. med. Hans-Iko Huppertz

Prof.-Hess-Kinderklinik
Klinikum Bremen-Mitte

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