Krankenhaushygiene up2date 2007; 2(1): 9-20
DOI: 10.1055/s-2007-966197
Hygienemaßnahmen

© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Noroviren

Winfried  Ebner, Elisabeth  Meyer
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Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
23. Oktober 2007 (online)

Kernaussagen

  • Noroviren aus der Familie der Caliciviren sind für einen Großteil der nicht bakteriell bedingten Gastroenteritiden verantwortlich. Die Erkrankung, die sich in den Symptomen Erbrechen und wässriger Durchfall, häufig begleitet von Übelkeit, Bauchschmerzen mit Krämpfen, Muskelschmerzen und Kopfschmerzen äußert, hat einen typischen Wintergipfel. In der Regel dauert sie 1 - 3 Tage.

  • Von den Ausbrüchen sind insbesondere Krankenhäuser, Alten- und Pflegeheime sowie Kindergärten betroffen. In vielen Krankenhausausbrüchen wird beschrieben, dass die attack-rate beim medizinischen Personal deutlich höher lag als bei Patienten.

  • Norovirusinfektionen sind extrem ansteckend. Einerseits genügen schon 10 - 100 Viren für die Auslösung einer Erkrankung, anderseits finden sich pro Gramm Stuhl während der akuten Krankheitsphase mehr als 106 Viruspartikel. Deshalb werden Noroviren leicht von Person zu Person übertragen. Noroviren sind auch im Erbrochenen von infizierten Personen vorhanden. Hinzu kommt, dass Noroviren eine hohe Resistenz gegen Umwelteinflüsse besitzen.

  • Als Übertragungswege sind beschrieben: Direkter/indirekter Kontakt mit einer infizierten Person, Tröpfchenübertragung, Kontakt mit Oberflächen oder Gegenständen, die mit Noroviren verunreinigt sind, Essen oder Trinken von kontaminierten Lebensmitteln. Die aerogene Übertragung ist unbewiesen.

  • Die Erkrankten scheiden die Erreger etwa 12 Stunden vor Symptombeginn, während der akuten Erkrankungsphase und danach durchschnittlich 7 - 14 Tage mit dem Stuhl aus, immunsupprimierte Patienten sogar bis zu 80 Tage.

  • Kennzeichen des Virus ist eine ausgeprägte Genomvariabilität [9]. Man unterscheidet mittlerweile fünf Genogruppen (GG I - V), wobei nur drei Genogruppen (I, II und IV) humanpathogen sind. Epidemiologische Bedeutung besitzen die Genogruppen I und II. Die Methode mit der höchsten Sensitivität und Spezifität für die Noroviren-Diagnostik ist die RT-PCR. Sie gilt als Goldstandard.

  • Die Therapie der Noroviren-Gastroenteritis ist symptomatisch. Gegenwärtig sind keine antiviralen Medikamente und kein Impfstoff verfügbar. Die Immunität scheint zeitlich limitiert zu sein und aufgrund der hohen Mutationsrate nur partiell, so dass man sich wiederholt mit unterschiedlichen Erregertypen infizieren kann.

  • Im Falle eines Norovirenausbruchs in einer medizinischen Einrichtung gilt es, unverzüglich geeignete hygienische Maßnahmen zu Eindämmung einzuleiten. Zu den wichtigsten Hygienemaßnahmen gehören dabei die sofortige Isolierung der Patienten und ein striktes Arbeitsverbot für erkranktes Personal bis mindestens zwei Tage nach Beendigung der Symptomatik. Die zentrale Rolle spielt eine sorgfältige Händehygiene.

  • Der Labornachweis von Noroviren sowie jede Häufung von Erkrankungen, bei denen Noroviren als Ursache vermutet werden, sind nach dem Infektionsschutzgesetz (IfSG §§ 6 und 7) meldepflichtig.

Literatur

Dr. med. Elisabeth Meyer

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