Pädiatrie up2date 2007; 2(1): 13-24
DOI: 10.1055/s-2007-966184
Infektionskrankheiten

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Rationale Antibiotikatherapie

Michael  Weiß
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Publication Date:
09 March 2007 (online)

Einleitung

Mit antibakteriell wirksamen Chemotherapeutika, im Allgemeinen „Antibiotika” genannt, können bakterielle Infektionen verschiedener Lokalisation und unterschiedlichen Schweregrads effektiv behandelt werden. Wichtig für die Indikationsstellung zur antibiotischen Therapie ist die Differenzierung bakterieller Infektionen von viralen Infekten ebenso, wie die Abgrenzung von anderen chronischen Entzündungen oder Fieberepisoden, die nicht auf einen bakteriellen Erreger zurückgeführt werden können.

In der pädiatrischen Praxis wird die Mehrzahl akut auftretender fieberhafter Infekte durch Viren ausgelöst, sodass eine Antibiotikatherapie oft nicht erforderlich ist. Andererseits muss bei klinischem Verdacht auf bakterielle Genese einer Infektion in der Regel ein Antibiotikum ausgewählt und verordnet werden, um das Fortschreiten der Infektion zu verhindern. Ausnahmen sind z. B. bakterielle Enteritiden, die nur dann antibiotisch behandelt werden, wenn eine besondere Infektionsdisposition, eine angeborene oder erworbene Abwehrschwäche oder das sehr junge Alter des Patienten dies notwendig machen.

Grundanforderungen an ein ideales Antibiotikum

  • Die Wirksubstanz ist gegen den bzw. die Erreger der Infektion wirksam.

  • Die Substanz soll nach p. o. oder i. v. Gabe zu einer effektiven, wirksamen Gewebekonzentration am Ort der Entzündung führen.

  • Die Anwendung muss sicher sein, sodass keine toxischen Wirkungen entstehen.

  • Es sollen möglichst wenige Interaktionen mit anderen Arzneistoffen oder Nahrungsmitteln auftreten, die entweder die Wirkung des Antibiotikums beeinträchtigen oder seine Verträglichkeit reduzieren.

  • Oral angewendete Antibiotika sollten einen guten Geschmack haben, damit die Compliance des Patienten und damit die Wirksamkeit der Antibiotikagabe nicht beeinträchtigt wird.

  • Der Wirkspiegel muss über mehrere Stunden anhalten, damit die Applikation von 2 oder 3 Dosen pro Tag ausreichend ist.

  • Die Kosten des Medikaments sollen bei gegebener Effektivität der Behandlung angemessen bzw. möglichst niedrig sein.

  • Langjährige Erfahrungen mit guter Wirksamkeit und Verträglichkeit sind bei der Anwendung im Kindesalter ein besonderer Vorteil.

  • Das Medikament soll nach aktueller Resistenzlage der zu erreichenden Erreger wirksam sein.

Im vorliegenden Beitrag können und sollen nicht alle in der Pädiatrie verwendeten Antibiotika einzeln und ausführlich besprochen werden. Ebenso ist es unmöglich, in einem Übersichtsartikel eine vollständige Systematik zur Auswahl des richtigen Präparats bei nachgewiesenem, wahrscheinlichem oder vermutetem bakteriellen Erreger zu präsentieren. Dazu ist auf die einzelnen Infektionskapitel in den umfassenden Handbüchern der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie [1] oder der American Academy of Pediatrics [2] zu verweisen. Diese - aus der Sicht vieler Experten - in gemeinschaftlicher Arbeit verfassten Kapitel zur Behandlung von Infektionen bei Kindern und Jugendlichen haben Leitliniencharakter und sollten zur Therapieentscheidung als Informationsgrundlage dienen.

Mit diesem Artikel wird der Versuch unternommen, einige - aus der pädiatrischen Praxis der Infektionsbehandlung abgeleitete - Prinzipien zur Auswahl von Antibiotika darzustellen. Dabei werden zunächst verschiedene Substanzklassen p. o. und i. v. verwandter Antibiotika aufgeführt, um die bei Kindern und Jugendlichen am häufigsten eingesetzten Substanzen detaillierter zu beschreiben. Nachfolgend werden typische pädiatrische bakterielle Infektionen verschiedener Lokalisationen im Hinblick auf die auszuwählenden Antibiotika besprochen.

Literatur

  • 1 Scholz H, Belohradsky B H, Heininger U, Kreth W, Roos R . (Hrsg) .Handbuch der Deutschen Gesellschaft für pädiatrische Infektiologie: Infektionen bei Kindern und Jugendlichen. 4. Auflage. München; Futuramed 2003: 1-934
  • 2 Committee on Infectious Diseases, American Academy of Pediatrics (ed) .Red Book: 2003 Report of the Committee on Infectious Diseases. 26th ed. Elk Grove Village, Illinois; 2003: 1-927
  • 3 Adam D, Scholz H, Helmerking M. Short-course treatment of 4782 culture-proven cases of group A streptococcal tonsillopharyngitis and incidence of poststreptococcal sequelae.  J Infect Dis. 2000;  182 509-516
  • 4 Scholz H. Die akute Otitis media.  Pädiatrie up2date. 2006;  2 133-142
  • 5 Adam D . et al .Antibiotikatherapie im Kindesalter. München; Futuramed 2001: 1-236
  • 6 von Harnack G A, Janssen F. Pädiatrische Dosistabellen. Stuttgart; Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft 2003: 1-173
  • 7 Laws H J, Lehrnbecher H . (Hrsg) . Therapie von Infektionen in der Kinderonkologie.  Klinische Pädiatrie. 2005;  217 (Suppl. 1) 1-174
  • 8 Robert-Koch-Institut .http://www. rki. de
  • 9 Rote Liste Service GmbH (Hrsg) .Rote Liste 2006. Frankfurt/Main; Verlag Rote Liste Service GmbH
  • 10 Simon C, Stille W. Antibiotika-Therapie in Klinik und Praxis. 10. Auflage. Stuttgart; Schattauer 2001: 1-720
  • 11 Thalhammer F, Grabein B. Infektiologie - Kompendium der antimikrobiellen Therapie. 2. Auflage. München; Arcis 2005: 1-131
  • 12 Alexander S W, Walsh T J, Freifeld A G, Pizzo P A. Infectious complications in pediatric cancer patients.  In: Principles and practice of pediatric oncology. 4th ed. Philadelphia - New York; Lippincott-Raven 2002: 1239-1283
  • 13 Weiß M, Belohradsky B H. Parenterale Cephalosporine in der Pädiatrie.  Monatsschr Kinderheilkd. 1995;  143 535-545

Prof. Dr. Michael Weiß

Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin

Kinderkrankenhaus Amsterdamer Straße

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