Zeitschrift für Ganzheitliche Tiermedizin 2007; 21(03): 116-118
DOI: 10.1055/s-2007-965562
Spektrum
Sonntag Verlag in MVS Medizinverlage Stuttgart GmbH & Co. KG Stuttgart

Der klassische Dressursitz

Ina Cygon
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Publication Date:
29 August 2007 (online)

Die knöcherne Sitzgrundlage

Der klassische Dressursitz ist ein wirklich schwieriger Sitz, weil er ein instabiler Balancesitz ist. Die knöcherne Sitzgrundlage sind die beiden Sitzbein-Schambein-Leisten im Becken, die je nach Größe des Menschen nur 8 bis 9 cm lang sind. Außerdem sitzt man noch nicht einmal auf der ganzen Leiste, sondern immer nur auf einem kleinen Abschnitt, weil die Leiste kufenförmig gebogen ist (ähnlich wie bei einem Schaukelstuhl). Das hat einerseits den Vorzug, dass der Reiter sein Becken nach allen Richtungen hin bewegen kann, nämlich vorkippen und zurückkippen (Kreuzanspannen), nach rechts und links kippen sowie nach rechts oder links drehen. Damit kann er allen Bewegungen des Pferderückens genau und synchron folgen. Das nennt man die „Beckendynamik“, weil anders die ganzen Schwingungen und Bewegungen des Pferderückens nicht pferdegerecht kompensiert werden können. Mit irgendwelchen „Rubbelbewegungen“ ist das nicht möglich und auch nicht dadurch, dass man - schlimmer noch - mit festgestelltem Becken dem Pferd mehr oder weniger in den Rücken fällt ([Abb. 1]).

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Abb. 1: Das Pferd beginnt, die Piaffe zu erlernen. Es ist noch nicht genügend gesetzt. Der Schenkel der Reiterin liegt bei dieser Lektion richtigerweise etwas weiter zurück.

Andererseits macht diese kleine knöcherne Unterstützungsfläche den Dressursitz sehr instabil. Völlig falsch ist es, von einem Sitz-Dreieck zu sprechen, weil es einen dritten knöchernen Unterstützungspunkt anatomisch nicht gibt. Gäbe es diesen tatsächlich, würde damit der Sitz sehr stabil, andererseits aber auch unbeweglich ([Abb. 2]).

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Abb. 2: Bei dieser Piaffe ist das Pferd versammelter, mehr gesetzt und aufgerichtet. Der Reiter neigt den Oberkörper etwas nach vorne, um bei der stärkeren Versammlung Rücken und Hinterhand zunächst noch etwas zu entlasten. Das Vorderbein sollte noch mehr angehoben sein.