Z Geburtshilfe Neonatol 2007; 211(3): 110-117
DOI: 10.1055/s-2007-960745
Übersicht

© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Mindestmengen in der Versorgung sehr untergewichtiger Frühgeborener: Eine Literaturübersicht

Minimum Patient Volume in the Care for Very Low Birthweight Infants: A Review of the LiteratureM. Obladen1
  • 1Klinik für Neonatologie, Charité Universitätsmedizin Berlin
Further Information

Publication History

2007

2007

Publication Date:
01 June 2007 (online)

Zusammenfassung

Hintergrund und Fragestellung: Nach Einführung des DRG-Systems und Festlegung von Strukturmerkmalen zur Qualitätsicherung der Versorgung von Früh- und Neugeborenen durch den Gemeinsamen Bundesausschuss ist in Deutschland die Zahl der registrierten Perinatalzentren stark angestiegen. Es fragt sich, ob durch die Bildung zahlreicher sehr kleiner Intensivstationen für Neugeborene eine schlechtere Versorgung von Frühgeborenen mit weniger als 1 500 g Geburtsgewicht (VLBW) zu befürchten ist. Methodik: Es wurden Medline-zitierte Literaturstellen systematisch ausgewertet, welche Informationen zur Patientenmenge in Relation zur Ergebnisqualität bei VLBW Kindern enthalten. Für die Ergebnisqualität wurden Sterblichkeiten und Hirnblutungsraten herangezogen. Es fanden sich 9 Publikationen aus Nordamerika, 7 aus dem europäischen Ausland und 5 aus Deutschland. Bei 18 Arbeiten ließen sich Bezüge zur Patientenzahl in Form von odds ratio und 95 % Vertrauensbereich darstellen.Ergebnisse: Sterblichkeiten und Hirnblutungsraten von VLBW-Kindern unterschieden sich erheblich zwischen den Kliniken. In 20 von 21 Arbeiten fanden sich für kleinere Fall- und / oder Geburtenzahlen schlechtere Ergebnisse, wobei die Untergrenze für die Geburtshilfe bei 500-1 000 Geburten pro Jahr, für die Neonatologie bei 35-50 VLBW-Aufnahmen pro Jahr lag. Bei mehr als 50 VLBW-Kindern pro Jahr waren Beziehungen zwischen Volumen und Ergebnis nicht mehr signifikant. Diskussion: Mindestmengen sind eine notwendige, aber nicht die einzige Voraussetzung für gute Ergebnisse bei VLBWs. Schlussfolgerungen: Neben der Erfüllung definierter Strukturmerkmale sollten Perinatalzentren an großen Geburtskliniken eingerichtet werden und jährlich mindestens 35 bis 50 VLBW-Kinder behandeln.

Abstract

Background: Following the introduction of the DRG system and the definition of structural requirements for neonatal intensive care units (NICUs) in Germany, the number of perinatal centres has increased dramatically. The question arises if the formation of a great number of small NICUs compromises the outcome of infants with less than 1 500 g birthweight (VLBW). Material and methods: A systematic medline search was performed for publications on patient volume in relation to outcome of VLBW infants. Mortality and intraventricular hemorrhage were used as outcome criteria. 9 publications from North America, 7 from Non-German Europe and 5 from Germany were found. In 18 studies odds ratios and 95 % confidence intervals were reported for volume - outcome relations. Results: For VLBW infants, mortality and intraventricular hemorrhage rates varied greatly between hospitals. In 20 of 21 publications, results were significantly less favourable in smaller hospitals. The threshold for obstetrics was 500-1 000 deliveries per year and for neonatology 35-50 VLBW admissions per year. No significant relation of volume and outcome was found above 50 VLBW infants per year. Discussion: The requirement of a minimum patient volume is a necessary, but not the only condition for good results in VLBW infants. Conclusions: In addition to fulfilling formal structural requirements, perinatal centres should be established in large delivery hospitals with at least 35 to 50 VLBW admissions per year.

Literatur

Prof. Dr. M. Obladen

Klinik für Neonatologie · Charité Virchow Klinikum

Augustenburger Platz 1

13353 Berlin

Phone: 0 30/4 50 56 61 22

Fax: 0 30/4 50 56 69 22

Email: [email protected]