Fortschr Neurol Psychiatr 2007; 75(10): 593-605
DOI: 10.1055/s-2007-959243
Originalarbeit
© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Für eine „Neue Sozialpsychiatrie”: Aktuelle Brennpunkte und Entwicklungslinien der psychiatrischen Versorgung im Spannungsfeld von integrativen und gesundheitsökonomischen Perspektiven

In Favour of a “New Social Psychiatry”. Current Focuses and Trends of Mental Health Care Dealing Between Integrative and Health Economic PerspectivesG.  Dammann1, 2
  • 1Psychiatrische Klinik Münsterlingen und Psychiatrische Dienste Thurgau, (Chefarzt und Spitaldirektor: Dr. G. Dammann)
  • 2Psychiatrische Klinik, Universitäre Psychiatrische Kliniken Basel, (Ärztlicher Direktor: Prof. Dr. F. Müller-Spahn)
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Publication Date:
25 May 2007 (online)

Zusammenfassung

Ausgehend von veränderten soziodemographischen, medizinischen, familiären und gesundheitsökonomischen Gegebenheiten wird dargestellt, dass in verschiedenen Bereichen der psychiatrischen Versorgung wichtige Angebote fehlen oder aufgebaut werden müssen, und dass von einer Unterversorgung für bestimmte Gruppen (Migranten, Persönlichkeitsstörungen, bestimmte ältere Patienten) gesprochen werden muss. Es werden einige solcher zukunftsweisenden Trends und möglichen Perspektiven im Bereich der Sozialpsychiatrie beispielhaft dargestellt. Es wird die These vertreten und illustriert, dass die heute bestehenden sozialpsychiatrischen Einrichtungen einer paradigmatischen Neuausrichtung bedürften, die als „Neue Sozialpsychiatrie” bezeichnet werden könnte. Eine solche müsste die traditionelle Sozialpsychiatrie, welche bisher an der schizophrenen Erkrankung, der extramuralen Ausrichtung und dem Rehabilitationsziel Arbeit orientiert war, ergänzen.

Abstract

Starting from modified sociodemographical, medical, familiar and health economical circumstances it is shown that in different areas of psychiatric supply fundamental offerings are missing or need to be established, thus one has to speak about an undersupply of certain groups (migrants, personality disorders, certain elderly patients). Some of these forward-looking trends and possible prospects in the field of social psychiatry are exemplarily displayed. The thesis is argued and illustrated that the existing social psychiatric institutions require a paradigmatic reorientation, which could be called “New Social psychiatry” and should complement the traditional social psychiatry, which has been orientated to schizophrenic illness, extramural alignment and the rehabilitation purpose of employment up to now.

Literatur

1 „Symposion „Sozialpsychiatrie im 21. Jahrhundert”, Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie, Städt. Klinikum Offenbach, 2006.

2 Die Verwirklichung mancher der hier angeregten möglichen Weiterentwicklungen im Bereich der psychiatrischen Versorgung werden durch die Auswirkungen des neuen Arbeitszeitgesetzes und der damit verbundenen Präsenz der Assistenzärzte in ihrer Umsetzung zu gewünschten medizinisch-therapeutischen Standards nicht eben immer erleichtert, vor allem, wenn darüber hinaus bedacht wird, dass in vielen Institutionen die Zahl der Eintritte pro Jahr in den letzten Jahren gestiegen ist.

3 „Auswirkungen der transsektoral integrierten Gesundheitsversorgung auf die Medizinproduktindustrie. Studiendokumentation”, http://www.bvmed.de/linebreak4/mod/netmedia_pdf/data/langfassung.pdf.

4 Aus: http://www.bvmed.de/linebreak4/mod/netmedia_pdf/data/langfassung.pdf, S. 11.

5 Quelle: Praxis Nyssen, Institut für Soziotherapie und Eingliederungshilfe, Aachen (http://www.praxisnyssen.de/intro_topic.html).

6 Weitere Managed-Care-Organisationsformen wie Point of Service (POS), Preferred Provider Organisation (PPO) oder Indemnity Health Insurance (IDY), was am ehesten einer klassischen privaten Krankenversicherung entspricht.

Dr. med. Dipl.-Psych. Gerhard Dammann, MBA

Chefarzt, Psychiatrische Klinik Münsterlingen, Spitaldirektor, Psychiatrische Dienste Thurgau

Postfach 154

CH-8596 Münsterlingen

Schweiz

Email: gerhard.dammann@stgag.ch

URL: http://www.stgag.ch