Fortschr Neurol Psychiatr 2007; 75(8): 484-489
DOI: 10.1055/s-2007-959202
Kasuistik
© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Gekreuzte Aphasie oder Dysexekutives Syndrom?

Ein FallberichtCrossed Aphasia or Dysexecutive Syndrome?A Case ReportS.  Tabeling1, 2 , B.  Kopp1, 2 , M.  Braun2 , C.  Moschner1, 2 , K.  Wessel1, 2
  • 1Forschungsgesellschaft für Kognitive Neurologie e.V., Institut an der Technischen Universität Braunschweig (Leiter: Prof. Dr. K. Wessel)
  • 2Neurologische Klinik, Klinikum Braunschweig (Leiter: Prof. Dr. K. Wessel)
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Publication Date:
27 April 2007 (eFirst)

Zusammenfassung

Wir berichten über den Fall einer rechtshändigen Patientin (MN), über bei der als Korrelat einer vorwiegend aphasischen Symptomatik ein rechtsseitiger temporo-frontaler Mediateilinfarkt festgestellt werden konnte. Die Diagnose einer gekreuzten Aphasie, bei der Patientin eine paradoxe Sprachlateralisierung implizierend, wäre aufgrund der gegebenen Rechtshändigkeit MNs, der Lateralität der Läsion als auch der Art der sprachlichen Defizite berechtigt gewesen. Eine umfassende neuropsychologische Untersuchung wies allerdings das Vorliegen eines globalen dysexekutiven Syndroms nach. Die sprachliche Symptomatik wurde sonach als Teil der gezeigten generellen kognitiven Beeinträchtigung gewertet. Allgemeine Fragen, die das Verhältnis von Sprache und Kognition und die Lateralisierung kognitiver Funktionen betreffen, werden diskutiert.

Abstract

The case of a female dextral patient (MN) is reported. MN sustained a partial frontotemporal infarction in the right hemisphere. Clinically, MN presented herself mainly with aphasic symptoms. The dextrality of the patient and the laterality of the lesion as well as the nature of language deficits would legitimate the diagnosis of a crossed aphasia, implying paradoxical lateralization of language in MN. However, comprehensive neuropsychological assessment revealed the presence of a global dysexecutive syndrome in MN, suggesting a general cognitive impairment, part of which must be the aphasic symptoms. General issues regarding the relationship between language and cognition and the lateralization of cognitive functions are discussed.

Literatur

1 Auf den Einsatz des Aachener Aphasie-Bedside-Tests (AATB) [13], ein weiteres Instrument zur Diagnostik von Aphasien in der Akutphase, wurde verzichtet, da sich insgesamt bei MN leicht- bis mittelgradige Beeinträchtigungen im expressiven Bereich und leichtgradige Beeinträchtigungen im rezeptiven Bereich der Spontansprache zeigten.

2 Kroker [12] ermittelte zwischen der Aufgabe Verstehen 2 des AST und dem Token-Test des Aachener Aphasie-Tests (AAT, [15]) einen Kendall-Korrelationskoeffizienten von - 0,77.

Prof. Dr. med. Karl Wessel

Forschungsgesellschaft für Kognitive Neurologie e. V., Institut an der Technischen Universität Braunschweig Neurologische Klinik Klinikum Braunschweig

Salzdahlumer Straße 90

38126 Braunschweig

Email: k.wessel@klinikum-braunschweig.de