Klinische Neurophysiologie 2007; 38 - A33
DOI: 10.1055/s-2007-1032231

Erzeugung einer protektiven Ptosis bei Lagophthalmus infolge einer Facialisparese bzw. bei Hornhautproblemen

B Wabbels 1, P Roggenkämper 1
  • 1Bonn

Hintergrund: Die Behandlung von Lidkrämpfen (essenzieller Blepharospasmus, Spasmus facialis) stellt die wichtigste Indikation für Botulinumtoxin in der Augenheilkunde dar. Die Induktion einer Ptosis ist bei dieser Behandlung eine unerwünschte Nebenwirkung. Im Gegensatz dazu ist die temporäre Ptosis bei Lagophthalmus bei Facialisparese (z.B. nach Operation eines Akustikusneurinoms) oder bei schlecht heilenden Hornhautulzera zum Schutz der Hornhaut ausdrücklich erwünscht und kann durch geeignete Injektionstechniken hervorgerufen werden.

Methoden: Zur Induktion einer protektiven Ptosis werden 0,6 bis 0,8ml Botulinumtoxin A (Botox® oder Xeomin®, entsprechend 15–20 IE) in den M. levator palpebrae injiziert, die Hälfte der Dosis transkutan, die andere Hälfte transkonjunktival nach Gabe von anästhesierenden Augentropfen und nach Ektropionieren des Oberlides.

Ergebnisse: Typische Verläufe von 35 Patienten mit regelmäßigen Injektionen werden vorgestellt. Es handelte sich dabei in erster Linie um Patienten mit Lagophthalmus bei Facialisparese sowie um vier Patienten mit Hornhautulcera und zwei Patienten mit Hornhautproblematik nach Radiatio. In allen Fällen gelang eine Besserung der Benetzungssituation des Auges. Re-Injektionen sind alle 2–3 Monate erforderlich.

Diskussion: Die protektive Ptosis bietet im Vergleich zur (teilweisen) operativen Vernähung der Augenlider (Tarsorraphie) den Vorteil der Kontrollmöglichkeit der Hornhaut durch Anheben des Lides und des besseren ästhetischen Eindruckes. Die Behandlung mit Botulinumtoxin kann somit die Heilung von therapierefraktären Hornhautulcera beschleunigen und im Falle eines Lagophthalmus die Zeitdauer bis zu einer eventuellen Spontanheilung überbrücken.