Geburtshilfe Frauenheilkd 1998; 58(7): 347-354
DOI: 10.1055/s-2007-1022726
Originalarbeiten

© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Vergleich von Gerinnungsaktivitäten zwischen Spontangeburt und Sektio-Entbindung unter Berücksichtigung potentieller Einflußgrößen

Coagulation Activity and Potential Modulating Factors in Vaginal and Caesarean DeliveryA. Löseke1 , A. Drees2 , G. Gallenkemper3 , N. Heinzel1 , J. Baltzer1 , M. Sauerland4
  • 1Klinikum Krefeld, Frauenklinik
  • 2Klinikum Krefeld, Institut für Hygiene und Labormedizin
  • 3Klinikum Berlin-Buch, Dermatologische Klinik
  • 4Institut für Med. Informatik und Biomathematik der Unikliniken Münster
Weitere Informationen

Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
18. Juni 2008 (online)

Zusammenfassung

Fragestellung: Das Ziel der Untersuchung bestand darin, Ausmaß und Zeitpunkt von Thrombinbildung und Fibrinolyse unter den verschiedenen Geburtsmodi, d.h. Spontanentbindung. primäre und sekundäre Sektio zu erfassen, um Rückschlüsse auf resultierende Thromboserisiken ziehen zu können. Zusätzlich wurden anamnestische Auffälligkeiten und geburtshilfliche Risiken sowie die eventuell vorhandene Resistenz gegen aktiviertes Protein C auf ihren Einfluß auf die untersuchten hämostaseologischen Parameter überprüft. Patienten und Methode: Wir untersuchten 96 Patientinnen der Frauenklinik des Klinikums Krefeld, von denen 75 spontan und 21 per Sektio entbunden wurden. Zu fünf festgelegten Zeitpunkten unter der Geburt und im Wochenbett wurden Prothrombinfragmente (F1 + F2) als Repräsentanten der Thrombosierung bzw. Gerinnungsaktivierung gemessen sowie D-Dimere als Marker der Fibrinolyseaktivität. Die Anamnese. Geburtsund Wochenbettverlauf wurden erfaßt. Ergebnisse: Der Umsatz an Gerinnungsfaktoren ist insgesamt hoch. Bereits die Wehentätigkeit in der Eröffnungsphase erhöht die Konzentration der Prothrombinfragmente signifikant, so daß die Wehentätigkeit alleine bereits eine Aktivierung der Gerinnung auszulösen scheint. In geringerem Ausmaß erhöhte sich auch die Konzentration der D-Dimere. Zu einem weiteren Anstieg von Fl + F2 kommt es nach der Plazentalösung. Die Plasmakonzentration der D-Dimere erreicht ihren höchsten Wert zwei Stunden nach der Entbindung. Beide Parameter weisen am zweiten postpartalen Tag wieder die Ausgangswerte auf. Wider Erwarten ist in der Sektio-Gruppe die Thrombinbildung niedriger als bei der Spontanentbindung, während die Fibrinolyse nach der Sektio-Entbindung deutlich höher ist. Der vorzeitige Blasensprung führt zu mäßig höheren D-Dimer-Spiegeln und mäßig niedrigen Fl + F2. Die Parität ist für beide Parameter ohne besondere Bedeutung. Plazentalösungsstörungen gehen mit verringerter Gerinnungsaktivität und gesteigerter Fibrinolyse einher. Im Vergleich zum Kollektiv mit normaler Reaktion auf aktiviertes Protein C stellten wir bei den Patientinnen mit APC-Resistenz zunächst niedrigere Prothrombinfragmente fest, die postpartal höhere Werte erreichten. Während des gesamten Meßzeitraumes waren im Vergleich bei der APC-Resistenz höhere D-Dimer-Konzentrationen feststellbar. Schlußfolgerungen: Die Geburt ist mit einem hohen Umsatz an Gerinnungsfaktoren verbunden. Der erhöhte D-Dimer-Nachweis bei Schnittentbindungen deutet auf einen höheren Gesamtumsatz von Fibrin im Vergleich zu Spontangeburten hin. Der frühe Zeitraum der Gerinnungsaktivierung unterstützt die Notwendigkeit einer möglichst raschen Mobilisierung nach jeder Entbindung, um das Risiko von Thrombosen bzw. Embolien zu minimieren.

Abstract

Purpose: To estimate the risk of thrombosis, we determined in this study the degree and time course of thrombin formation and fibrinolysis in women undergoing vaginal dehvery or Caesarean section. The patient's history. obstetric risk factors and APC resistance were evaluated. Patients and methods: 96 women were included in the study, 75 with vaginal labour and 21 with primary or secondary Caesarean section. At five time points during delivery and puerperium we determined the plasma concentration prothrombin activation fragments F1 and F2 as marker of coagulation activity and D-Dimers as markers for fibrinolysis. Results: We found a high turnover of coagulation factors in all women. Uterine contracitons during cervical dilatation increased Fl and F2 levels more than the D-Dimer concentration, indicating that they thrombin fragments followed by D-Dimers was seen during detachment of the placenta. D-Dimer levels reached a maximum two hours post partum. All parameters analysed were back on baseline two days after delivery. Surprisingly, thrombin formation was less in women with Caesarean section that in patients with vaginal delivery, while the extent of fibrinolysis was lower in the latter group. Premature rupture of membranes decreased F1 and F2 levels and caused a light increase of the D-Dimer concentration. Parity had no influence on either variable. In patients with prolonged placental separation the degree of coagulation was reduced and fibrinolysis was activated. Women with insufficient anticoagulant response of plasma to activated protein C were found to have low baseline F1 and F2 levels that increased after delivery, while the D-Dimer concentration was elevated at all time points. Conclusion: Coagulation is activated during childbirth. Caesarean section is associated with increased fibrinolysis as compared to vaginal delivery. Our data emphasises the importance of mobilisation as soon as possible after both vaginal and Caesarean delivery to avoid thrombosis or embolism.

    >