ZWR - Das Deutsche Zahnärzteblatt 2007; 116(12): 577
DOI: 10.1055/s-2007-1021790
Editorial
© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Weihnachten gefühlt

Cornelia Gins
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Publikationsdatum:
07. Januar 2008 (online)

Wie mir geht es sicher dem einen oder anderen Kollegen auch. Beim Blick ins Bestellbuch zeigen bestimmte Namen genau die Jahreszeit an: Es ist Weihnachten. Denn diese Patienten kommen immer kurz vor Weihnachten - wegen des Bonusheftchens. Aber es gibt natürlich noch andere Anzeichen. Ein Blick aus dem Fenster in den kühlen Himmel zeigt uns, dass der Winter diesmal wohl etwas früher Einzug hält, also kein Latte Macchiato mehr im Freien im Straßencafe wie im letzten Jahr. Einige Pistenfans bekamen auch schon die Gelegenheit, erste Bodenproben zu nehmen. Und natürlich die Weihnachtsmärkte. Nicht nur dass die Weihnachtsnaschereien schon gleich nach den Sommerferien in den Regalen liegen, auch die Märkte fangen immer früher an. Das lukrative Weihnachtsgeschäft lockt, die Zeit ist kurz und muss maximal genutzt werden. Weihnachtliche Romantik hin oder her, sie ist ohnehin ein Auslaufmodell.

Das, was vornehmlich vom weihnachtlichen Gedanken übrig geblieben ist, ist der Austausch von Geschenken. Auch dieses Jahr werden die Kassen wieder lauter klingen als die Glocken. Der Wirtschaft geht es einigermaßen, obwohl die ersten Totengesänge auf den Abschwung im nächsten Jahr unüberhörbar sind. Bei dem Jagen und Hasten nach den richtigen (?) Geschenken für die Lieben wird zunehmend aus dem Auge verloren, warum es zu Weihnachten Geschenke gibt. Für diesen Brauch gibt es mehrere Erklärungen. Die christliche berichtet, dass die Weihnachtsgeschenke eine Erinnerung an die Gaben sind, welche die Heiligen Drei Könige dem Jesuskind darbrachten. Sie sollen die Liebe weitergeben, mit der Geschenke ausgetauscht werden. Dies weist daraufhin, dass es sich nicht um irdische Geschenke handelt, sondern um Sinnbilder für die Gottes- und Nächstenliebe, die wichtiger ist als die kostbarsten Sachen.

Das irdische Gegengewicht dazu und auch der Wunsch nach gewaltigen und reichen Gaben steckt in der nicht christlichen Quelle des Gebens. Der Weihnachtstermin deckte sich mit dem der Saturnalien, den römischen Feiern zu Ehren des Gottes Saturn. Dies galt als der Jahresanfang. Die römischen Beamten und Sklaven wurde mit Geschenken belohnt. Jenseits der Alpen in Germanien stellten die Dienstherren zum neuen Jahr neue Knechte und Mägde ein, und das Gesinde wurde mit reichen Geschenken weiter verpflichtet.

Die christliche Interpretation hat uns in meiner Erinnerung viele Jahre durch die Adventzeit begleitet und ein Gefühl der Wärme und Freundlichkeit zum Ausklang des Jahres beschert.

In meiner Erinnerung - Oder ist es nicht vielmehr schon lange so, dass die Weihnachtszeit so gar nichts mehr mit Nächstenliebe und Besinnung zu tun hat? Gerade in der Weihnachtszeit wird die Diskrepanz zwischen erhofftem Gefühl und Realität besonders deutlich.

Beim Wetter gibt es die tatsächlichen und die gefühlten Temperaturen. Weihnachten nicht nur gefühlt im Sinne der Nächstenliebe, sondern als Tatsache - das wäre doch was. Daran zu arbeiten, haben wir wieder 365 Tage Zeit.

Allen Leserinnen und Lesern wünsche ich schöne Weihnachten und ein gesundes, fröhliches und erfolgreiches Neues Jahr.

Dr. med. dent. Cornelia Gins

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