Diabetes aktuell 2007; 5(6): 276-277
DOI: 10.1055/s-2007-1019472
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Der Nutzen überwiegt - Rosiglitazon hat weiter grünes Licht von EMEA und FDA

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Publication Date:
18 January 2008 (online)

 

In den letzten Monaten war das Antidiabetikum Rosiglitazon wegen möglicher erhöhter kardiovaskulärer Risiken in die Diskussion geraten [1]. Sowohl die amerikanische als auch die europäische Zulassungsbehörde (FDA und EMEA) haben auf der Basis der vorliegenden Daten eine aktuelle Risikobeurteilung vorgenommen. Diese Beurteilung fällt für Rosiglitazon positiv aus. Die FDA stellt fest, dass die verfügbaren Daten zum kardiovaskulären Profil nicht konsistent seien und dass bisher für kein orales Antidiabetikum ein kardiovaskulärer Vorteil überzeugend belegt worden sei. Und die EMEA betont, dass bei der Therapie mit Rosiglitazon der Nutzen für die Patienten überwiegt. Was bleibt, ist ein höheres Risiko für die Entwicklung einer Herzinsuffizienz unter der Therapie mit Glitazonen. Diese beruht wahrscheinlich auf einer erhöhten Durchlässigkeit des Endothels mit einem daraus folgenden Flüssigkeitsanstieg. Diese Herzinsuffizienz ist allerdings nicht strukturell bedingt und verschwindet bei Absetzen der Therapie auch wieder, betonen Experten bei einer Pressekonferenz von GlaxoSmithKline (gsk) in München.

Dr. Kristian Löbner, Senior Medical Advisor bei gsk, kritisiert, dass die der Diskussion über die erhöhten kardiovaskulären Risiken des Rosiglitazon zugrunde liegenden Studien nicht auf kardiovaskuläre Endpunkte, sondern auf die Blutzuckersenkung ausgelegt waren und insgesamt nur geringe Ereigniszahlen aufwiesen [1], [2]. Auch eine kürzlich veröffentlichte Metaanalyse zu Pioglitazon sei nicht direkt vergleichbar [3], während ein direkter Vergleich zwischen Pioglitazon und Rioglitazon in einer Metaanalyse [4] weder eine erhöhte kardiovaskuläre Mortalität durch die Glitazone, noch einen Unterschied zwischen den beiden Glitazonen gezeigt habe. Solche Metaanalysen könnten aber nur Hypothesen generieren, die in randomisierten Endpunktstudien belegt werden müssten, meint Löbner. Zu Rosiglitazon laufen mehrere solcher Studien zurzeit, die Ergebnisse sind in den nächsten Jahren zu erwarten. Aus der RECORD-Studie (geplantes Studienende 2009) steht allerdings bereits eine aktuelle Interimsanalyse zur Verfügung, in der sich für das Rosiglitazon keine signifikante Erhöhung für Herzinfarkte (HR 1,16 p = 0,50) oder kardiovaskuläre Todesfälle (HR 0,83 p = 0,46) fand [5]. Die für Glitazone bekannte erhöhte Inzidenz bei Herzinsuffizienz wurde auch hier bestätigt (HR 2,24 p = 0,003), die Rate für Hospitalisierung aus kardiovaskulärer Ursache oder die Zahl der Todesfälle waren aber dennoch nicht erhöht.

Auch epidemiologische Studien widerlegen die Ergebnisse der gepoolten Analysen. Dazu werden die Datenbanken großer (vor allem US-amerikanischer) Versicherungen ausgewertet. So veröffentlichte die FDA Daten des größten Versicherers "Wellpoint" mit 160 000 Patienten mit Typ-2-Diabetes ([6], Tab. [1]). Auch hier zeigte sich kein Unterschied bei der Häufigkeit von Myokardinfarkten zwischen Rosiglitazon, Pioglitazon und anderen oralen Antidiabetika. Das in den Metanalysen vermutete höhere Risiko kommt im klinischen Alltag demnach nicht vor und beide verfügbaren Glitazone haben ein ganz ähnliches kardiovaskuläres Risikoprofil, so die Schlussfolgerung von Löbner.

Tab. 1 Rosiglitazon hält den HBA1C-Wert länger im Zielbereich (nach [7] )(GlaxaSmithKline)

Literatur