Rehabilitation (Stuttg) 2008; 47(1): 2-7
DOI: 10.1055/s-2007-1004602
Originalarbeit

© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Entwicklung der Lehre im Querschnittsbereich „Rehabilitation, Physikalische Medizin, Naturheilverfahren” an den medizinischen Fakultäten 2004-2006/07

Changes of Teaching in the Interdisciplinary Subject “Rehabilitation, Physical Medicine, Naturopathic Treatment” in the German Medical Faculties 2004 to 2006/07G. Kusak 1 , M. Gülich 2 , 6 , W. Lay 3 , 6 , M. Morfeld 4 , 6 , S. R. Schwarzkopf 5 , 6 , W. Mau 1 , 6
  • 1Institut für Rehabilitationsmedizin, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
  • 2Abteilung Qualitätsmanagement und Sozialmedizin, Universitätsklinikum Freiburg
  • 3Lehrstuhl für Versorgungssystemforschung und Qualitätssicherung in der Rehabilitation, Charité- Universitätsmedizin Berlin, Campus Mitte
  • 4Hochschule Magdeburg-Stendal (FH)
  • 5Klinik und Poliklinik für Physikalische Medizin und Rehabilitation, Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München
  • 6Kommission Aus-, Fort- und Weiterbildung der Deutschen Gesellschaft für Rehabilitationswissenschaften
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Publication History

Publication Date:
04 February 2008 (online)

Zusammenfassung

Hintergrund: Mit der 9. Revision der Approbationsordnung für Ärzte zum Wintersemester 2003/04 wurde der 12. Querschnittsbereich „Rehabilitation, Physikalische Medizin, Naturheilverfahren” (Q-12) als verbindlicher Bestandteil der Lehre festgelegt. Damit besteht die Chance, in verstärktem Maße Interesse für rehabilitationsbezogene Fragen bei den Studierenden zu wecken und rehabilitationswissenschaftlich gesicherte Kenntnisse zu vermitteln. Wie sich die Umsetzung des Q-12 an den deutschen medizinischen Fakultäten tatsächlich gestaltet, war Gegenstand von drei schriftlichen Befragungen, über deren Verlauf mit Schwerpunkt auf der aktuellen Befragung berichtet wird.

Methode: Die deutschen medizinischen Fakultäten wurden zur Lehre im Q-12 2004, 2005 und 2006/07 schriftlich mit pseudonymisierten Fragebogen befragt. Nichtantworter wurden schriftlich nachbefragt.

Ergebnisse: Der Rücklauf betrug 2004 67%, 2005 72% und 2006/07 50%. Von den 36 angeschriebenen Einrichtungen antworteten zu wenigstens einem Zeitpunkt 34 Fakultäten. 10 Einrichtungen antworteten bei jeder Befragung. Der Q-12 wird bei einem erheblichen Teil der Fakultäten von Kliniken bzw. Instituten koordiniert, deren Name keinen direkten Zusammenhang mit der Bezeichnung des Querschnittsbereiches erkennen lässt. In der inhaltlichen Umsetzung des Q-12 bestehen große Unterschiede zwischen den Einrichtungen. Die Möglichkeiten für eine weitere Ausgestaltung sind durch verschiedene Ressourcenbegrenzungen deutlich beschränkt. In fast allen Einrichtungen existieren inzwischen Curricula für den Querschnittsbereich, wobei sich im Hinblick auf die Formulierung von Lernzielen wie auch auf Prüfungsart und -inhalte noch Verbesserungsmöglichkeiten zeigen. Über die drei Befragungszeitpunkte hinweg wurden am häufigsten Lehrmethoden eingesetzt, die in der Regel durch Dozenten dominiert werden (Vorlesungen, Seminare, Vorträge). Erwähnenswert ist jedoch die Verwendung von Fällen zum problemorientierten Lernen (POL) und anderen strukturierten Fallbeispielen. E-Learning wurde demgegenüber viel seltener als Lehrmethode eingesetzt. Bei der häufig berichteten praxisbezogenen Verknüpfung der Lehre mit spezifischen Indikationsgebieten stehen die muskuloskelettalen und neurologischen Erkrankungen im Vordergrund. Bei den Wahlpflichtfächern mit Bezug zu Q-12-Themen im 2. Studienabschnitt vor oder während des Praktischen Jahres werden die Möglichkeiten differenzierter Angebote noch nicht in allen Fakultäten genutzt. Großes Interesse seitens der Fakultäten besteht an Lehr- und Prüfungsmaterialien für den Q-12.

Schlussfolgerungen: Auch vier Jahre nach der Einführung des Q-12 wird die Lehre im Querschnittsbereich von den Fakultäten im Hinblick auf Inhalte wie auch auf die Didaktik sehr unterschiedlich gestaltet. Deshalb wird angeregt, dass die Fakultäten überprüfen, ob sie das Spektrum der Lernzielempfehlungen angemessen abdecken. Zu empfehlen ist eine Überprüfung der Curricula auf inhaltliche und formale Vollständigkeit und ggf. Ergänzung, des Weiteren ein verstärkter Einsatz moderner praxisorientierter Lehr- und Prüfungsmethoden, die intensivere Verbindung der reha-bezogenen Lehre mit klinischen Indikationsgebieten sowie ein größeres Angebot von Wahlpflichtfächern mit Q-12-Bezug. Regelmäßige wissenschaftliche Untersuchungen und Symposien/Workshops zur Weiterentwicklung der reha-bezogenen Lehre und eine Förderung des Austausches von Lehr- und Prüfungsmaterialien können diese Entwicklung unterstützen.

Abstract

Background: Rehabilitation, Physical Medicine, Naturopathic Treatment (Querschnittsbereich Q-12) was introduced as a compulsory interdisciplinary subject in the revised Federal Medical Licensing Regulations (Approbationsordnung für Ärzte) in October 2003. This offered the opportunity to increase the students’ interest in rehabilitation-related issues and to integrate current evidence of rehabilitation research. The implementation of the Q-12 in the German medical faculties was investigated by yearly questionnaires during a three-year-period.

Methods: In 2004, 2005, and 2006/07 anonymous postal questionnaires concerning the teaching in Q-12 were sent to the 36 medical faculties in Germany. Non-responders were reminded at least once by a repeat postal questionnaire.

Results: The response rates were 67% in 2004, 72% in 2005, 50% in 2006/07, respectively. Of the 36 faculties 34 responded at least once. Ten faculties responded to all questionnaires. In a considerable number of faculties, Q-12 is being coordinated by university institutions which are not denominated as one of the subjects designated in the Q-12 title. Major differences regarding the implementation of Q-12 were found between the faculties. Further development of Q-12 faces several limitations of resources. Almost all faculties provide curricula for teaching Q 12, some of which are still incomplete. During all three examinations lecturer-centered teaching methods (lectures, seminars, other presentations) were used most frequently. POL-cases and other structured patient oriented teaching were also reported less frequently. E-learning was very rarely offered to the students. Musculoskeletal and neurological disorders were the most frequent specific indications for practice-related integration of Q-12 issues. Compulsory election subjects (Wahlpflichtfächer) related to Q-12 issues before and during the final year of the medical students, are not being offered by all faculties. The vast majority of the faculties advocate an exchange of materials for teaching and examinations.

Conclusions: During the three examinations, major differences concerning the implementation of Q-12 were found between the faculties. Therefore, it is recommended that all faculties verify whether they adequately cover the joint educational objectives recommended for Q-12 by two German scientific societies. Furthermore, the more frequent application of up-to-date practice-oriented teaching and examination methods, an intensified implementation of Q-12-related issues in teaching specific indications, the completion of curricula, enhanced offer of compulsory election subjects related to Q-12 issues, continued scientific investigations and symposia/workshops concerning the promotion of Q-12-related teaching as well as the generation and exchange of teaching and examination materials are recommended.

Literatur

Korrespondenzadresse

Prof. Dr. med. Wilfried Mau

Sprecher der Kommission „Aus-, Fort- und Weiterbildung” der Deutschen Gesellschaft für Rehabilitationswissenschaften

Institut für Rehabilitationsmedizin

Medizinische Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

06097 Halle (Saale)

Email: wilfried.mau@medizin.uni-halle.de