Anästhesiol Intensivmed Notfallmed Schmerzther 2007; 42(11): 814-821
DOI: 10.1055/s-2007-1003595
Fachwissen
Topthema:Anästhesie bei kongenitalen Herzfehlern
© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Herzkatheterisierung in der pädiatrischen Kardiologie

Anaesthesia in paediatric cardiologyBerthold Bein, Jochen Renner
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Publication Date:
26 November 2007 (online)

Zusammenfassung

Diagnostische und interventionelle pädiatrische Kardiologie ist zu einem wachsenden Tätigkeitsfeld für Anästhesisten geworden. Enge interdisziplinäre Kooperation sowie genaue Kenntnis der spezifischen Pathophysiologie des vorliegenden angeborenen Herzfehlers ist unerlässlich. Im Bereich der interventionellen pädiatrischen Kardiologie hat sich das Spektrum deutlich erweitert. Zu den Indikationen Vorhofseptumdefekt und persistierender Ductus arteriosus zählen heute auch Valvuloplastie und Angioplastie sowie der Ventrikelseptumdefekt, sofern er günstig gelegen ist.

Abstract

Diagnostic and interventional paediatric cardiology has become an increasing field of activity for anaesthesiologist in recent times. Besides a close interdisciplinary cooperation, the exact knowledge of the pathophysiology of the congenital heart diseases is essential. Especially the spectrum of interventional paediatric cardiology has extended considerably. In addition to tradionally intervention such as atrial septal defect closure and embolization of a patent ductus arteriosus, today's indications are also valvuloplasty and angioplasty as well as ventricular septal defects.

Kernaussagen

  • Kinder mit kongenitalen Herzfehlern haben häufig noch weitere Fehlbildungen, die die Atemwegssicherung erschweren können.

  • Besonders häufige kongenitale Herzfehler sind Ventrikelseptumdefekte (VSD), die Transposition der großen Arterien (TGA), die Fallot'sche Tetralogie (TOF), die Aortenisthmusstenose, das hypoplastische Linksherzsyndrom (HLHS) und der persistierende Ductus arteriosus Botalli (PDA).

  • Pathophysiologisch lassen sich Herzfehler in Obstruktionen der links- bzw. rechtsventrikulären Ausflussbahn und Shuntvitien einteilen.

  • Zur Einleitung per inhalationem ist Sevofluran besonders gut geeignet, zur Aufrechterhaltung ist neben Sevofluran auch Propofol eine bewährte Alternative, jeweils kombiniert mit dem sehr gut steuerbaren Opioid Remifentanil.

  • Bei einer Sedierung kann ein sehr unterschiedliches Ausmaß von Bewusstseinsdämpfung erreicht werden. In tiefer Sedierung können die Schutzreflexe beeinträchtigt sein und eine Atemwegsverlegung resultieren.

  • Ketamin wird häufig von Kinderkardiologen zur Sedierung verwendet. Unter Sicherheitsaspekten bietet die Verwendung antagonisierbarer Substanzen möglicherweise Vorteile.

  • Die Allgemeinanästhesie bietet den Vorteil, dass der Atemweg gesichert ist und eine völlige Bewegungslosigkeit erreicht werden kann.

  • Häufige interventionelle Eingriffe sind der Verschluss eines ASD oder VSD mit speziellen Okkludern, Coil-Embolisationen und Ballonangioplastien bzw. -valvuloplastien.

  • Häufige Komplikationen sind Herzrhythmusstörungen. Ein geeigneter Defibrillator und Antiarrhythmika müssen vorhanden sein.

  • Die Richtlinien zur Reanimation im Kindesalter sind aktuell überarbeitet worden. Bei gesicherten Atemwegen wird eine Kompressionsfrequenz von 100 pro Minute und eine Beatmung mit 8-10Hüben pro Minute empfohlen. Zur Terminierung von Kammerflimmern sollte einmal biphasisch defibrilliert werden. Bei Asystolie ist Adrenalin das Präparat der ersten Wahl.

Literatur

PD Dr. med. Berthold Bein

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Dr. med. Jochen Renner

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