Anästhesiol Intensivmed Notfallmed Schmerzther 2007; 42(11): 794-799
DOI: 10.1055/s-2007-1003592
Fachwissen
Intensivmedizin
© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Akutes Lungenversagen - Therapeutische Optionen im Überblick

Therapeutic options for patients with acute lung injurySven Laudi, Thilo Busch, Sven Bercker, Bernd Donaubauer, Udo Kaisers
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Publication Date:
26 November 2007 (online)

Zusammenfassung

Die Behandlung des akuten Lungenversagens bildet eine komplexe intensivmedizinische Herausforderung. Die konventionelle Basistherapie umfasst eine lungenprotektive maschinelle Beatmung mit kleinen Tidalvolumina und adäquatem PEEP, ein restriktives Flüssigkeitsmanagement, Bauchlage und frühzeitige Rekrutierungsmanöver. Diese Maßnahmen sollten parallel zueinander einsetzt und von einer zielgerichteten antiinfektiösen Therapie begleitet werden. Bei weiterhin therapierefraktärer Hypoxämie ist die selektive pulmonale Vasodilatation mit inhaliertem Stickstoffmonoxid eine geeignete Notfallmaßnahme. Als ultima ratio in spezialisierten Zentren bleibt schließlich die Anwendung von ECMO.

Abstract

The treatment of acute lung injury is one of the most challenging tasks in intensive care medicine. Conventional therapeutic options cover lung protective mechanical ventilation with low tidal volumes and adequate PEEP, restrictive fluid management, prone positioning, and early recruitment maneuvers. These options should be used in parallel and should be accompanied by a suitable anti-infective therapy. In cases of refractory hypoxemia, inhaled nitric oxide offers in most patients a successful rescue option. In specialized centers the application of ECMO remains as a final ultima ratio.

Kernaussagen

  • Die Behandlung des akuten Lungenversagens lässt sich in eine konventionelle Basistherapie und in Notfallmaßnahmen bei refraktärer Hypoxämie unterteilen.

  • Primäre Aufgabe ist die Etablierung einer lungenprotektiven maschinellen Beatmung mit kleinen Tidalvolumina und adäquatem PEEP.

  • Die lungenprotektive Beatmung zielt auf die Vermeidung eines zyklischen Kollabierens und Wiedereröffnens von Lungenarealen - bei gleichzeitiger Limitierung der Beatmungsspitzendrücke (bis unterhalb eines oberen Inflektionspunktes der inspiratorischen Druck-Volumen-Beziehung).

  • Zusätzlich umfasst die konventionelle Basistherapie des akuten Lungenversagens ein restriktives Flüssigkeitsmanagement, Lagerungsmaßnahmen und frühzeitige Rekrutierungsmanöver.

  • Ziel des restriktiven Flüssigkeitsmanagements ist eine Reduktion des Lungenödems, während Bauchlage und Rekrutierungsmanöver zur Verbesserung der alveolären Ventilation beitragen.

  • Die Optionen der konventionellen Basistherapie sollten parallel angewendet und von einer zielgerichteten antiinfektiösen Therapie flankiert werden.

  • Bei refraktärer Hypoxämie trotz ausgeschöpfter Basistherapie ist die iNO-Applikation in vielen Fällen eine erfolgreiche Notfallmaßnahme, die zur Reduktion der Invasivität maschineller Beatmung genutzt werden kann.

  • Bei fehlender Effektivität von iNO bleibt in spezialisierten Zentren als Ultima ratio der Einsatz von ECMO.

  • In Fällen schwerster Hyperkapnie kann der Einsatz der pumplosen pECLA erwogen werden, deren Effektivität für die Oxygenierung jedoch in der Regel gering ist.

Literatur

Dr. med. Sven Laudi

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Dr. rer. medic. Thilo Busch

Email: [email protected]

Dr. med. Sven Bercker

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Dr. med. Bernd Donaubauer

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Prof. Dr. med. Udo Kaisers

Email: [email protected]