Anästhesiol Intensivmed Notfallmed Schmerzther 2007; 42(11): 774-782
DOI: 10.1055/s-2007-1003590
Fachwissen
Intensivmedizin
© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Transfusionsassoziierte akute Lungeninsuffizienz (TRALI) - Diagnose, Therapie und Prävention

Transfusion-related acute lung injury (TRALI)Ulrich J. H. Sachs, Gregor Bein
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Publication Date:
26 November 2007 (online)

Zusammenfassung

Die transfusionsassoziierte akute Lungeninsuffizienz (TRALI) ist nach den Daten internationaler Hämovigilanz-Register heute die führende Ursache für Nebenwirkungen der Bluttransfusion mit Todesfolge. Zweithäufigste Todesursache im Zusammenhang mit der Bluttransfusion ist die inkorrekte Transfusion infolge Verwechslung, während die Infektionsrisiken der Transfusion heute in den Hintergrund treten. Der nachfolgende Artikel beschreibt das Krankheitsbild TRALI, seine Pathogenese, Diagnosekriterien sowie Therapieempfehlungen und diskutiert mögliche vorbeugende Maßnahmen.

Abstract:

According to data of international hemovigilance registries, transfusion-related acute lung injury (TRALI) has emerged as the leading cause of transfusion-related mortality. Errors in the transfusion process, leading to ABO incompatible transfusion, represent the second most frequent cause of transfusion-related mortality, while infection risks of transfusion declined significantly. The following article describes the clinical picture of TRALI, its pathogenesis, diagnostic criteria as well as therapy recommendations and discusses possible preventing measures.

Kernaussagen

  • Die TRALI ist die häufigste Nebenwirkung der Bluttransfusion mit Todesfolge.

  • Die TRALI-Inzidenz wird mit 1:95 000 für die Transfusion einer Einheit GFP oder Thrombozytenkonzentrat und mit 1:1500000 für die Transfusion eines Erythrozytenkonzentrates angegeben.

  • Die TRALI ist definiert als akute Atemnot mit Hypoxämie und bilateralen Lungeninfiltraten im p.a.-Röntgenbild des Thorax während oder innerhalb der ersten 6 Stunden nach einer Transfusion ohne andere erkennbare Ursache einer akuten Lungeninsuffizienz.

  • Eine TRALI wird u.a. durch Antikörper in plasmahaltigen Blutkomponenten gegen leukozytäre Antigene des Empfängers hervorgerufen („immunogenes TRALI”). Oft finden sich beim Patienten zusätzliche Risikofaktoren, die zu einer Voraktivierung (Priming) der Leukozyten führen.

  • Therapeutische Maßnahmen sind symptomatisch, eine spezifische Therapie ist nicht bekannt.

  • Die Letalität beträgt bis zu 20 %.

  • Der Verdacht auf eine TRALI ist über die im Qualitätssicherungssystem der Einrichtung vorgesehenen Wege zu melden, insbesondere damit der zuständige Blutspendedienst beim Nachweis von Antikörpern im Spenderplasma den implizierten Spender von weiteren Spenden ausschließen kann.

  • Die TRALI-Inzidenz kann durch bevorzugte Verwendung plasmahaltiger Blutkomponenten von männlichen Blutspendern und weiblichen Spendern ohne Schwangerschaftsanamnese verringert werden.

Literaturverzeichnis

Prof. Dr. med. Gregor Bein

Email: [email protected]

Dr. med. Ulrich Sachs

Email: [email protected]